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Syrisches Militär startet Offensive gegen kurdische Viertel in Aleppo

Syrisches Militär greift kurdische Stadtteile in Aleppo an. Zivilisten fliehen, medizinische Versorgung eingeschränkt. Eskalation nach gescheiterter Integration.

von Mike Schwarz
Syrisches Militär greift kurdische Stadtteile in Aleppo an. Zivilisten fliehen, medizinische Versorgung eingeschränkt. Eskalation nach gescheiterter Integration.

Nach erneuten Gefechten zwischen kurdischen Kräften und syrischen Regierungstruppen in Aleppo hat die Übergangsregierung eine gezielte Militäroperation angekündigt, um die Sicherheit wiederherzustellen und Zivilisten zu schützen, berichtet 4thebike.de. Die Offensive konzentriert sich auf bewaffnete Gruppen in den kurdisch kontrollierten Bezirken, nicht auf die Zivilbevölkerung.

Die syrische Armee setzte Artillerie gegen die kurdisch dominierten Stadtteile ein. Vor dem Beschuss wurden die Bewohner von den Sicherheitskräften aufgefordert, die Gebiete bis zum Nachmittag zu verlassen. Viele Familien, darunter Kinder, verließen daraufhin ihre Wohnungen und suchten Schutz in sichereren Teilen der Stadt. Laut einer Erklärung der Übergangsregierung werfen die Behörden den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF), die von Kurden geführt werden, vor, Angriffe auf Wohngebiete, Verkehrswege und Sicherheitskräfte in Aleppo ausgeführt zu haben. Die Operation erfolge auf Grundlage lokaler Entscheidungen sowie einer öffentlichen Forderung von Anwohnern.

Die medizinische Versorgung in der Stadt ist erheblich beeinträchtigt. Die internationale Hilfsorganisation Help – Hilfe zur Selbsthilfe berichtet, dass die Kämpfe das öffentliche Leben stark eingeschränkt haben. Eine von Help unterstützte Klinik bleibt vorerst geschlossen, um Mitarbeitende und Partner zu schützen, wie der Generalsekretär Thorsten Klose-Zuber erklärte. Über die Hälfte der medizinischen Infrastruktur in Syrien sei zerstört, weshalb die Schließung der Klinik die Bevölkerung vor massive Herausforderungen stellt. Viele Menschen müssen nun weite Strecken zurücklegen, um medizinische Hilfe zu erhalten.

Bereits Anfang der Woche kam es in Aleppo zu Zusammenstößen zwischen den Truppen der Übergangsregierung und kurdischen Kämpfern. Syrische Staatsmedien berichteten von mindestens neun Toten am Dienstag. Aufgrund der Kämpfe blieben Schulen, Hochschulen, Behörden und der Flughafen der zweitgrößten Stadt Syriens geschlossen.

Im März 2025 hatten Kurden und die Übergangsregierung vereinbart, die bisher autonomen kurdischen Institutionen in die staatlichen Strukturen zu integrieren. Geplant war auch die Eingliederung kurdischer Kämpfer in die syrische Armee. Diese Vereinbarung wurde bislang nicht umgesetzt. Zum Jahresende 2025 lief die dafür gesetzte Frist ab. Kurden stellen die größte ethnische Minderheit in Syrien dar und leben vor allem im Nordosten des Landes in einem selbstverwalteten Gebiet, das gleichzeitig die wichtigsten Öl- und Gasreserven Syriens beherbergt.

Zuvor schrieben wir über Mindestens neun Tote bei Anti-IS-Einsatz in Yalova, darunter drei Polizisten.

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