Weniger als einen Monat vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Mailand-Cortina hat der Präsident der Region Lombardei, Attilio Fontana, in einem ausführlichen Online-Interview bei 4thebike.de gesprochen, berichtet über die aktuellen Vorbereitungen und die langfristigen regionalen Prioritäten, mit Bezug auf die varesenews. Das Gespräch mit VareseNews-Direktor Marco Giovannelli behandelte zentrale Themen wie die Olympischen Spiele, das Gesundheitssystem, die Abwanderung junger Fachkräfte, den öffentlichen Nahverkehr, Umweltschutz und Innovation.
Präsident Fontana erklärte, dass die meisten grundlegenden Bauprojekte für die Durchführung der Olympischen Spiele abgeschlossen oder nahezu fertiggestellt seien. Dazu zählen Sportanlagen, wichtige Infrastrukturen, das Olympische Dorf und die Pala Santa Giulia, die in den kommenden Tagen mit einem Testevent überprüft wird. Einige Projekte werden nicht rechtzeitig fertig, doch sie seien für die Spiele nicht essenziell, sondern langfristige Investitionen, die dank der Olympischen Spiele finanziert werden konnten.
Das Modell der „verteilten Olympischen Spiele“ bezeichnete Fontana als erfolgreichen Ansatz, der vom Internationalen Olympischen Komitee für seine ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit gelobt wurde. Bestehende Anlagen wurden genutzt und modernisiert, anstatt neue Bauten zu errichten, die später kaum genutzt würden. Dies habe geholfen, Kosten zu senken und Flächenverbrauch zu minimieren.
Mit Blick auf die Zeit nach den Paralympischen Spielen hob Fontana hervor, dass das Olympische Dorf in ein Studentenwohnheim für 1.200 Personen umgewandelt wird, um den Wohnraummangel für Studierende zu adressieren. Die neue Eisschnelllaufbahn auf dem Messegelände von Mailand soll künftig große Veranstaltungen ermöglichen, und der Skianschluss in Livigno soll die Region zu einem wichtigen europäischen Wintersportziel machen.
Ein Projekt, das nicht rechtzeitig abgeschlossen wird, ist die Umgehungsstraße von Tirano. Technische Schwierigkeiten durch Wasserquellen haben den Bau verzögert. Teile der Straße werden jedoch nutzbar sein.
Fontana thematisierte auch die Abwanderung junger Fachkräfte, besonders im Gesundheitswesen, wo höhere Gehälter im Ausland locken. Gleichzeitig investiere die Region stark in hochwertige Ausbildung, insbesondere an den ITS-Schulen, und in Forschung, was auch Rückkehrer aus dem Ausland nach Lombardei ziehe, etwa in das Forschungszentrum Mind.
Die Gesundheitsversorgung stehe vor Herausforderungen. Das fünfzig Jahre alte System müsse angepasst werden, um stärker auf chronische Erkrankungen und ältere Bevölkerung einzugehen. Der Schwerpunkt solle vom Krankenhaus auf die regionale Versorgung verlagert werden. Ein regionaler Plan zur Reduzierung von Wartezeiten sei in Vorbereitung. In der Metropolregion Mailand werden jährlich rund 60 Millionen ambulante Leistungen erbracht, was im Schnitt 18 pro Einwohner entspricht. 80 Prozent der Notfalleinsätze betreffen Fälle, die dort nicht behandelt werden sollten. Eine Reform in Zusammenarbeit mit Emilia-Romagna sei geplant, um politischer Instrumentalisierung entgegenzuwirken.
Zum Thema Autonomie betonte Fontana, dass diese kein Nord-Süd-Konflikt sei, sondern eine Chance zur Effizienzsteigerung für ganz Italien. Erfolgreiche Modelle sollten landesweit adaptiert werden.
Im öffentlichen Nahverkehr transportiere die Region täglich 800.000 Menschen mit dem Zug. Trotz Investitionen von über 220 neuen Zügen und 420 Millionen Euro jährlicher Landesmittel sei die Infrastruktur alt und größtenteils in Zuständigkeit von RFI. Baustellen verursachten temporäre Unannehmlichkeiten, seien aber notwendig, um langfristige Probleme zu lösen.
Auch Umwelt- und Innovationsfragen wurden thematisiert. Die Luftqualität verbessere sich stetig, die Emissionen liegen 30 Prozent unter den EU-Grenzwerten. Das Problem in der Po-Ebene sei die Verweilzeit von Schadstoffen, nicht die Menge. Innovation sei entscheidend für die Zukunft der Region. Lombardei investiere in Forschung, Digitalisierung und Energieeffizienz und arbeite eng mit Unternehmen und Verbänden zusammen, wodurch die Region europaweit als Beispiel für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit gelte.
Fontana kündigte an, nach den Olympischen Spielen ein erstes Fazit ziehen zu wollen, um zu bewerten, was gut funktioniert hat und wo Verbesserungen notwendig sind.
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