Die Europäische Union hat ein neues groß angelegtes Auswahlverfahren für den Einstieg in ihre Institutionen gestartet. Über das sogenannte Concours können sich Bewerberinnen und Bewerber aus allen EU-Mitgliedstaaten auf rund 1.500 Positionen bewerben, die von der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament in Brüssel bis hin zum Europäischen Gerichtshof in Luxemburg reichen, berichtet 4thebike.de mit Verweis auf die ARD.
Das Concours-Verfahren, das im EU-Jargon als besonders anspruchsvoll gilt, findet nur alle paar Jahre statt. Während sich 2019 rund 22.000 Menschen bewarben, rechnen die Organisatoren diesmal mit etwa 50.000 Bewerbungen. Die EU-Kommission wirbt intensiv für die Teilnahme und hebt die Attraktivität eines Arbeitsplatzes im institutionellen Kern der Europäischen Union hervor. In aktuellen Informationskampagnen wird der Concours als Einstieg in eine internationale Karriere dargestellt, der allerdings ein hohes Maß an Vorbereitung erfordert.
Wie kompetitiv das Verfahren ist, beschreibt die 27-jährige Spanierin Olivia Lori Iglesias, die erstmals am Concours teilnimmt, mit einem drastischen Vergleich. Sie spricht von einem Wettbewerb, der an die „Hunger Games“ erinnere, und rät Interessierten, sich sehr genau mit den Auswahlkriterien und Prüfungsformaten vertraut zu machen. Nach ihrer Einschätzung ist das Verfahren besonders anspruchsvoll für Bewerber ohne einschlägige Berufserfahrung, da neben der individuellen Leistung auch externe Faktoren eine Rolle spielten. Iglesias arbeitet derzeit beim European Youth Forum, einem Zusammenschluss von mehr als 100 Jugendorganisationen, und verfolgt seit ihrem Studium der Internationalen Beziehungen das Ziel, in einer europäischen Institution tätig zu werden.
Insgesamt beschäftigen die EU-Institutionen mehr als 60.000 Menschen. Dabei ist Deutschland mit weniger als zehn Prozent der Beschäftigten deutlich unterrepräsentiert, obwohl rund ein Fünftel der EU-Bevölkerung aus Deutschland stammt. Eine Studie des Europäischen Rechnungshofs zeigt, dass Belgien – bedingt durch den Standort Brüssel – sowie kleinere Mitgliedstaaten wie Slowenien, Estland und Malta vergleichsweise stark vertreten sind. Ähnlich niedrige Anteile wie Deutschland weisen hingegen die Niederlande, Österreich und Polen auf.
Matthias Beermann vom Europäischen Rechnungshof erklärt diese Unterschiede unter anderem mit den Gehaltsstrukturen. Die EU biete im Vergleich zu vielen nationalen Arbeitsmärkten sehr attraktive Vergütungen, während der Abstand zwischen EU-Gehältern und gut bezahlten Industrie- oder Verwaltungsjobs in Deutschland geringer sei als in anderen Mitgliedstaaten. Das mindere für manche qualifizierte Fachkräfte den finanziellen Anreiz, sich in Brüssel zu bewerben.
Gleichzeitig sieht die Bundesregierung gute Chancen für junge deutsche Bewerberinnen und Bewerber. Um den deutschen Anteil in den EU-Institutionen zu erhöhen, unterstützt sie Interessierte mit Informationskampagnen in sozialen Medien, Podcasts, Anzeigen, Webinaren und einem speziellen Vorbereitungsportal. Nach Angaben des Rechnungshofs liegt der interne Richtwert für den deutschen Anteil bei 14,3 Prozent, während der aktuelle Wert lediglich 9,1 Prozent beträgt. Beermann betont, dass bei erfolgreichem Bestehen der Auswahltests die Einstellungsaussichten für deutsche Kandidaten derzeit besonders günstig seien, da die EU auf ein ausgewogenes Verhältnis der Nationalitäten achtet.
Der Bewerbungsschluss für das laufende Concours-Verfahren ist auf den 10. März festgelegt. Die Prüfungen sollen im Sommer stattfinden, die endgültige Shortlist der erfolgreichen Kandidatinnen und Kandidaten wird Anfang des kommenden Jahres erwartet. Eine direkte Jobgarantie ist die Aufnahme in diese Liste jedoch nicht: Sie bedeutet lediglich, dass EU-Institutionen bei der Nachbesetzung offener Stellen zunächst auf diesen Bewerberpool zurückgreifen.
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