Startseite AllgemeinChile erlebt historischsten Rechtsruck: Präsident José Antonio Kast startet mit strikter Sicherheits‑ und Migrationsagenda

Chile erlebt historischsten Rechtsruck: Präsident José Antonio Kast startet mit strikter Sicherheits‑ und Migrationsagenda

Chiles Präsident Kast übernimmt mit konservativer Agenda; Fokus auf Sicherheit, Migration und Wirtschaft. Rechtsruck in Lateinamerika setzt sich fort.

von Mike Schwarz
Chiles Präsident Kast übernimmt mit konservativer Agenda; Fokus auf Sicherheit, Migration und Wirtschaft. Rechtsruck in Lateinamerika setzt sich fort.

José Antonio Kast ist als neuer Präsident Chiles vereidigt worden und markiert damit einen deutlichen Rechtsruck in Lateinamerika, berichtet 4thebike.de mit Verweis auf tagesschau. Kast, 60 Jahre alt, konservativer Katholik und Sohn eines deutschen Wehrmachtsoffiziers, folgt auf den linken Präsidenten Gabriel Boric, einstiger Studentenführer mit grüner und sozialer Agenda. Während Boric für progressive Reformen und soziale Gerechtigkeit stand, kündigte Kast bereits bei seinem Amtsantritt im Moneda-Palast in Santiago eine „Notstandsregierung“ an, die Ordnung, Sicherheit und wirtschaftliches Wachstum priorisieren soll, mit konkreten Maßnahmen gegen Straflosigkeit und Chaos im Land.

Bei seiner ersten Ansprache betonte Kast, dass seine Regierung praktische Hilfe für diejenigen bringen werde, die lange ignoriert wurden, und versprach ein hartes Durchgreifen gegen Kriminalität. Ähnlich wie US-Präsident Donald Trump setzte Kast im Wahlkampf auf Themen wie Migration und innere Sicherheit, um breite Wählergruppen anzusprechen. Bereits vor der Amtseinführung reiste er nach Florida zu einem Treffen, das von Trump unter dem Titel „The Shield of the Americas“ einberufen wurde, bei dem regionale Militärkoalitionen gegen kriminelle Kartelle diskutiert wurden. Kast applaudierte dort neben anderen rechtsgerichteten lateinamerikanischen Staatschefs, darunter Argentiniens Präsident Javier Milei und El Salvadors Nayib Bukele.

Die Sicherheitslage in Chile hat sich in den letzten Jahren verschärft, unter anderem durch das Auftreten der venezolanischen Gruppe „Tren de Aragua“, die für Erpressungen, Geiselnahmen und Auftragsmorde verantwortlich gemacht wird. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung fühlen sich laut Umfragen unsicher. Im Wahlkampf verband Kast diese Sorgen mit der Migration: Rund zwei Millionen Migranten, vor allem Venezolaner, leben derzeit in Chile, davon etwa 300.000 ohne offizielle Dokumente. Kast kündigte an, illegale Migranten notfalls mit minimalem Besitz auszuweisen. Kritiker wie die venezolanische Pflegekraft Yngrid Becerra warnen, dass Kasts Rhetorik Integration behindere und soziale Ausgrenzung fördere.

Auch wirtschaftspolitisch signalisiert Kast einen klaren Kurswechsel. Während Boric die Arbeitszeit senkte und den Mindestlohn anhob, plant Kast Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungsverfahren und eine unternehmerfreundliche, marktliberale Wirtschaftspolitik. Deutsche Unternehmen, darunter Soilfe, die Bergbaumaschinen in Chile produzieren, sehen darin Chancen, insbesondere wegen Chiles strategischer Rohstoffe wie Lithium und Kupfer. Die Deutsch-Chilenische Handelskammer betont, dass eine unvoreingenommene Zusammenarbeit mit Kast ratsam sei. China ist inzwischen der wichtigste Handelspartner Chiles, während „Made in Germany“ weiterhin hoch geschätzt wird.

Die Ernennung einer evangelikalen Abtreibungsgegnerin zur neuen Frauen- und Gleichstellungsministerin sowie Proteste am Internationalen Frauentag verdeutlichen, dass die Bevölkerung kritisch auf die neue Regierung reagiert. Politische Analysten wie Patricio Fernández beobachten gespannt, ob Kast einen versöhnlicheren Kurs einschlägt oder seine konfrontative, rechtsgerichtete Agenda konsequent verfolgt. Klar ist, dass er Teil der neuen globalen, populistischen Rechten ist, unterstützt von konservativen Kräften im chilenischen Kongress.

Zuvor schrieben wir über Europaweite Razzien bei „Der Schelm“: Ermittlungen gegen rechtsextremen Buchvertrieb und internationales Netzwerk

Das könnte dir auch gefallen