Der deutsche Leitindex DAX ist am Mittwoch mit deutlichen Verlusten in den Handel gestartet und reagiert sowohl auf eine schwächer als erwartete Bilanz von SAP als auch auf wachsende geopolitische Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran. Zum Handelsauftakt fiel der Index um 0,9 Prozent auf 24.588 Punkte, nachdem er bereits am Vortag 0,3 Prozent niedriger bei 24.822 Zählern geschlossen hatte, die Redaktion 4thebike.de auf tagesschau.de.
Bereits in den vergangenen Tagen hatten sich Anleger vor wichtigen geldpolitischen und unternehmensbezogenen Entscheidungen zurückhaltend gezeigt. Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve sowie vor der Veröffentlichung zentraler Quartalszahlen großer US-Technologiekonzerne fehlten klare Impulse. Am Mittwoch kamen zusätzliche Belastungsfaktoren hinzu, die das Marktumfeld weiter eintrübten.
Für Unruhe an den Märkten sorgt vor allem die Zuspitzung im Atomstreit zwischen den USA und dem Iran. Die Androhung eines möglichen US-Militärschlags erhöhe das geopolitische Risiko deutlich, erklärte Frank Sohlleder von ActivTrades. Die verschärfte Rhetorik von US-Präsident Donald Trump lasse die Sorge vor einer Eskalation wachsen, die bestehende Marktstabilität rasch gefährden könne. Eine militärische Intervention berge das Potenzial, die internationalen Finanzmärkte unter erheblichen Druck zu setzen. Auch Timo Emden von Emden-Research rechnet angesichts fehlender belastbarer Signale zur weiteren geopolitischen Entwicklung mit anhaltender Vorsicht. Der DAX bleibe kurzfristig anfällig für Stimmungsschwankungen.
Zusätzlichen Druck auf den deutschen Aktienmarkt üben die jüngsten Geschäftszahlen von SAP aus. Zwar konnte Europas größter Softwarekonzern seinen Nettogewinn im vergangenen Geschäftsjahr auf 7,5 Milliarden Euro steigern und damit mehr als verdoppeln. Allerdings enttäuschte das Wachstum der für Investoren besonders wichtigen Cloud-Sparte. Sowohl das Expansionstempo als auch der Auftragsbestand lagen unter den Markterwartungen. Da der Kapitalmarkt den Fokus stark auf die künftige Ertragskraft legt, reagierte die SAP-Aktie zum Handelsstart mit deutlichen Abschlägen.
Aus den USA kamen unterdessen keine neuen geldpolitischen Impulse. Die Federal Reserve beließ den Leitzins wie erwartet in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Nach drei Zinssenkungen in Folge hatten Marktteilnehmer bereits mit einer Zinspause gerechnet. Laut Einschätzungen aus dem Terminmarkt wird frühestens im Juni – nach dem Ende der Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell – mit einer weiteren Zinssenkung gerechnet. Ein zusätzlicher Schritt könnte noch im Laufe des Jahres 2026 folgen.
Im Fokus der Investoren standen zudem die Quartalszahlen großer US-Technologiekonzerne. Microsoft meldete für das abgelaufene Quartal einen Umsatzanstieg um 15 Prozent auf 81,3 Milliarden US-Dollar. Der operative Gewinn erhöhte sich um rund 20 Prozent auf 38,3 Milliarden Dollar. Besonders stark entwickelte sich erneut das Cloud-Geschäft, dessen Umsatz erstmals die Marke von 50 Milliarden Dollar überschritt, wie Finanzchefin Amy Hood mitteilte. Gleichzeitig sorgte jedoch der kräftige Anstieg der Investitionen für neue Rechenzentren für Zurückhaltung: Die Ausgaben kletterten im Quartalsvergleich um 66 Prozent auf ein Rekordniveau von 37,5 Milliarden Dollar.
Deutlich schwächer fiel die Bilanz von Tesla aus. Der US-Elektroautobauer verzeichnete im vierten Quartal einen Gewinneinbruch von 61 Prozent auf 840 Millionen Dollar. Hintergrund waren sinkende Fahrzeugverkäufe bei gleichzeitig steigenden Kosten. Der Umsatz ging um 3,1 Prozent auf 24,9 Milliarden Dollar zurück. Auf Jahressicht schrumpften die Erlöse 2025 erstmals in der Unternehmensgeschichte. Mit 94,83 Milliarden Dollar lagen sie drei Prozent unter dem Vorjahreswert.
Positiver präsentierte sich dagegen Meta. Der Facebook-Konzern treibt den Ausbau einer künstlichen Superintelligenz voran und plant, seine Investitionen in KI-Rechenzentren im Jahr 2026 auf 115 bis 135 Milliarden Dollar nahezu zu verdoppeln. Im vergangenen Jahr stieg der Konzernumsatz um 22 Prozent auf 200,97 Milliarden Dollar. Haupttreiber waren erneut die Werbeeinnahmen, wie Finanzchefin Susan Li erklärte. Der Gewinn belief sich auf knapp 23 Milliarden Dollar.
Auch aus Deutschland kamen unternehmensbezogene Nachrichten, die Beachtung fanden. Die Deutsche Bank meldete für 2025 einen Gewinn vor Steuern von gut 9,7 Milliarden Euro und damit das höchste Vorsteuerergebnis ihrer Geschichte. Der Jahresüberschuss lag bei 6,1 Milliarden Euro. Überschattet wird das Rekordergebnis allerdings durch neue Ermittlungen gegen Verantwortliche und Mitarbeiter. Kurz vor der Vorlage der Bilanz hatten Ermittler im Zuge laufender Untersuchungen unter anderem die Konzernzentrale in Frankfurt sowie Geschäftsräume in Berlin durchsucht.
Zuvor schrieben wir Krypto in Bargeld umtauschen in Deutschland 2026: wo man Automaten und legale Wege findet
