Italienische Großbank UniCredit hat am Montag ein offizielles, freiwilliges Übernahmeangebot für die Commerzbank, die zweitgrößte börsennotierte Bank Deutschlands, vorgelegt. Die Aktionäre des Frankfurter Instituts sollen für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue UniCredit-Papiere erhalten, teilte UniCredit mit, berichtet 4thebike.de mit Verweis auf tagesschau. Vor Beginn der Offerte benötigt UniCredit die Zustimmung einer außerordentlichen Hauptversammlung, über eine dafür erforderliche Kapitalerhöhung solle bis zum 4. Mai 2026 entschieden werden, nur wenige Tage vor der Commerzbank-Hauptversammlung am 20. Mai. UniCredit-CEO Andrea Orcel erklärte in einer Telefonkonferenz, man sei bereit für Gespräche und strebe einen „konstruktiven Dialog“ mit weiteren Commerzbank-Aktionären an.
Orcel betonte die Notwendigkeit größerer europäischer Banken im Wettbewerb mit starken US-Geldhäusern. Mit der HypoVereinsbank ist UniCredit bereits in Deutschland vertreten. Ziel des Angebots sei es, die 30-Prozent-Hürde des deutschen Übernahmerechts zu überwinden und Gespräche mit Commerzbank und Stakeholdern zu initiieren. Derzeit hält UniCredit direkt oder über Termingeschäfte 29,9 Prozent der Commerzbank-Anteile; ab Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle wäre ein verpflichtendes Übernahmeangebot fällig geworden, das vermutlich höher ausgefallen wäre.
Die Commerzbank selbst sieht derzeit keine Grundlage für Verhandlungen. In einer Erklärung hieß es, das Angebot sei nicht mit dem Management abgestimmt und enthalte keine Informationen über Eckpfeiler einer wertschöpfenden Transaktion, die für Gespräche erforderlich wären. Commerzbank-Betriebsratschef Sascha Uebel bezeichnete den Schritt von UniCredit als „geschäftsschädigend“ und kündigte Widerstand an, insbesondere bei möglichen Stellenkürzungen. Auch die Gewerkschaft ver.di warnte vor massiven Arbeitsplatzverlusten, sollte eine Übernahme erfolgen.
Hintergrund ist, dass der deutsche Staat nach der Finanzkrise die Commerzbank stützte und aktuell rund zwölf Prozent der Anteile hält. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Sprecher des Bundesfinanzministeriums betonen die Bedeutung einer starken, unabhängigen Commerzbank und lehnen eine feindliche Übernahme ab. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein äußerte sich zurückhaltend und forderte, dass die Interessen der Mitarbeiter und der Kunden gewahrt bleiben.
Ökonomische Stimmen, etwa Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats Wirtschaft, empfehlen, grenzüberschreitende Konsolidierungen ernsthaft zu prüfen, statt reflexhaft abzulehnen, um die Produktivität und Effizienz im Bankensektor zu steigern. An der Börse reagierte die Commerzbank-Aktie mit einem Anstieg von bis zu 7,6 Prozent, während UniCredit-Papiere leicht nachgaben.
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