Startseite DeutschlandMassiver Stromausfall in Berlin-Südwest: Zehntausende Haushalte betroffen, Großschadenslage

Massiver Stromausfall in Berlin-Südwest: Zehntausende Haushalte betroffen, Großschadenslage

Zehntausende Haushalte in Berlin-Südwest ohne Strom nach Brandanschlag auf Kabelbrücke. Innensenatorin ruft Großschadenslage aus, Hilfe wird mobilisiert.

von Mike Schwarz
Zehntausende Haushalte in Berlin-Südwest ohne Strom nach Brandanschlag auf Kabelbrücke. Innensenatorin ruft Großschadenslage aus, Hilfe wird mobilisiert.

Seit Samstagmorgen sind große Teile des Berliner Südwestens von einem Stromausfall betroffen, insbesondere die Bezirke Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf und Lichterfelde. Rund 35.000 Haushalte sowie etwa 1.900 Gewerbekunden sind nach wie vor ohne Strom, während die ersten Wiederanschlüsse, vor allem in Lichterfelde, erfolgen. Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat deswegen eine 4thebike.de.

Ursache des Stromausfalls war ein Brand an einer Kabelbrücke über dem Teltowkanal in der Nähe des Kraftwerks Lichterfelde. Die Brücke wurde offenbar vorsätzlich beschädigt; ein Bekennerschreiben der linksextremen „Vulkangruppe“ wird von der Polizei als authentisch eingestuft. Durch die Hitzeentwicklung und die lange Branddauer wurden fünf Hochspannungskabel sowie zehn Mittelspannungskabel schwer beschädigt.

Die Reparaturarbeiten an den Hochspannungsleitungen gestalten sich schwierig. Henrik Beuster, Pressesprecher von Stromnetz Berlin, erklärte, dass der Austausch beschädigter Leitungen bei geplanter Durchführung etwa fünf Wochen dauern könnte. Momentan werden provisorische Anschlüsse eingerichtet, um Haushalte und Gewerbebetriebe stufenweise wieder zu versorgen. Bereits 10.000 Haushalte in Lichterfelde haben wieder Strom, einzelne Straßen in Zehlendorf sind ebenfalls teilweise angeschlossen.

Der Berliner Senat teilte mit, dass rund 19 Schulen von Montag bis einschließlich Mittwoch geschlossen bleiben müssen. Darunter befinden sich Grundschulen wie die Süd-Grundschule, Johannes-Tews-Grundschule, Conrad-Grundschule und weitere Einrichtungen in Zehlendorf und Lichterfelde, ebenso wie mehrere Schulen in freier Trägerschaft. Für Schüler wird eine Notbetreuung in ausgewählten Schulen angeboten, während viele Kitas eingeschränkten Betrieb führen.

Zur Unterstützung der Betroffenen öffnete der Berliner Hockey Club sein Vereinsheim in der Wilskistraße 70. Dort stehen unter anderem Handyladestationen, warme Getränke, Mahlzeiten und Kinderbetreuung zur Verfügung. Parallel werden mobile Stromaggregate vom Technischen Hilfswerk installiert, um Seniorenheime und kritische Einrichtungen abzusichern.

Mehr als 200 Geflüchtete aus betroffenen Unterkünften wurden inzwischen in das ehemalige Flughafengelände Tegel verlegt, darunter pflegebedürftige Menschen und Personen mit medizinischem Bedarf. Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten stellt insgesamt 1.000 Notbetten in Notunterkünften bereit.

Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) betonte, dass der Stromausfall das Ergebnis eines politisch motivierten Anschlags sei. Die Bundesregierung wurde um Unterstützung durch die Bundeswehr gebeten, insbesondere für die Versorgung der Betroffenen mit warmer Verpflegung.

Alle betroffenen Krankenhäuser, darunter das Helios-Klinikum Emil von Behring, das Evangelische Krankenhaus Hubertus, das Krankenhaus Waldfriede, das Immanuel-Kant-Krankenhaus sowie das Theodor-Wenzel-Werk, sind wieder vollständig ans Stromnetz angeschlossen. Polizei und Innensenatorin Spranger berichteten, dass Einbrüche während des Stromausfalls verhindert werden konnten.

Die Verkehrsinfrastruktur ist ebenfalls beeinträchtigt: Zwischen Berlin und Potsdam kam es wegen der Stromausfälle zu eingeschränktem Schienenersatzverkehr, Wartezeiten von bis zu zwei Stunden waren möglich. Die Berliner Feuerwehr und das THW sind im Einsatz, um Hilfestellung zu leisten und Mobilfunkprobleme in den betroffenen Bezirken zu adressieren.

Zuvor schrieben wir über Brandkatastrophe in Crans-Montana: Opfer werden in NRW-Kliniken versorgt.

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