Der bevorstehende Wintersturm in Deutschland hat bereits zu mehreren schweren Verkehrsunfällen geführt, einige davon tödlich. Bei Gehrde in Niedersachsen verlor am Donnerstagmorgen ein Autofahrer auf einer vereisten Bundesstraße die Kontrolle über sein Fahrzeug und prallte gegen einen Baum. In Baden-Württemberg starb ein 86-jähriger Mann, nachdem er am Mittwoch in Villingendorf von einem abbiegenden Streufahrzeug erfasst wurde, berichtet 4thebike.de mit Verweis auf tagesschau.
Die Schneefälle haben auch erhebliche Auswirkungen auf den Luftverkehr. Am Frankfurter Flughafen wird Reisenden empfohlen, am Freitag und Samstag bereits drei Stunden vor Abflug im Terminal zu sein. In Hamburg werden Start- und Landebahnen seit den Morgenstunden von Schnee und Eis befreit, während der Berliner Flughafen BER auf seiner Webseite auf Verspätungen und vereinzelt Flugausfälle hinweist. Fluggesellschaften informieren direkt über konkrete Änderungen einzelner Flüge. An vielen Flughäfen sorgen Mitarbeiter trotz des Schneetreibens für den sicheren Betrieb der Flugzeuge, darunter auch an Lufthansa-Maschinen am Hamburger Flughafen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder appellierte unterdessen eindringlich an die Bevölkerung, bei der aktuellen Wetterlage auf nicht notwendige Fahrten zu verzichten. Tausende Mitarbeiter seien im Einsatz, um Straßen, Bahnhöfe und Weichen freizuhalten. Mehr als 6.000 Straßenwärter und 14.000 Bahnmitarbeitende sorgen dafür, dass der Verkehr trotz schwieriger Bedingungen fließt, erklärte Schnieder in einem Interview bei Welt TV. Er betonte, dass Vorsicht und Sicherheitsmaßnahmen Vorrang haben und die Wetterlage nicht vollständig vorhersehbar sei.
In Niedersachsen bleiben die Schulen am Freitag landesweit geschlossen. Während einige Schulen auf Distanzunterricht umstellen, wird der Unterricht an vielen anderen Einrichtungen vollständig ausfallen, wie aus Informationen der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen sowie Mitteilungen von Landkreisen und Städten hervorgeht.
Auch der Sportbetrieb ist betroffen: Das Heimspiel des FC St. Pauli gegen RB Leipzig am Samstag steht wegen der starken Schneefälle unter Vorbehalt. Der Verein konnte bislang keine Garantie für die Austragung der Partie geben.
Die Industrie reagiert ebenfalls auf das Winterwetter: VW unterbricht die Produktion am Standort Emden am Freitag komplett. Beide Schichten fallen aus, die Bänder stehen still. Betroffen sind die Fertigungslinien der Elektrofahrzeuge ID.4 und ID.7. Andere VW-Standorte arbeiten derzeit normal, wie ein Unternehmenssprecher mitteilte.
Die extremen Witterungsbedingungen beschränken sich nicht auf Deutschland. In Schottland bleiben zahlreiche Schulen bereits den vierten Tag geschlossen. Der britische Wetterdienst warnt vor einem weiteren Sturmtief, das Schnee und starke Winde bringen soll. In Frankreich werden Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 km/h, vor allem an der Küste des Ärmelkanals, erwartet. Südosteuropa verzeichnet Verkehrsbehinderungen und Stromausfälle aufgrund von Eis und Schnee; in Rumänien sind rund 11.000 Haushalte ohne Strom, in Serbien ebenfalls zahlreiche Haushalte.
Wegen der starken Schneefälle ist Streusalz in vielen Baumärkten knapp. Dennoch sieht der Verband BHB derzeit keine Versorgungsnotlage. Umweltorganisationen raten zudem, auf alternative Streumittel wie Sand oder Kies zurückzugreifen, da in einigen Bundesländern der Einsatz von Streusalz eingeschränkt oder verboten ist.
An der Nordseeküste werden zahlreiche Fährverbindungen aufgrund des Sturms „Elli“ eingestellt. Die Inseln Langeoog, Norderney und Wangerooge sind am Freitag nicht erreichbar. Auch die Verbindung zwischen Juist und dem Festland fällt aus, ebenso einzelne Fahrten zwischen Emden und Borkum.
Der ARD-Wetterexperte Danijel Stanic warnte im Mittagsmagazin, dass die Lage am Freitag besonders brisant werde. Der Regen des Sturmtiefs „Elli“ werde im Südwesten in Schnee übergehen, besonders im Südosten drohe Glättegefahr.
Angesichts der Minustemperaturen und Neuschneefälle ruft der Paritätische Niedersachsen dazu auf, obdachlose Menschen nicht zu übersehen. Landesverbandsvorsitzende Kerstin Tack betont, dass Kälte und fehlender Schutz lebensbedrohlich sein können. Jede Hilfe und Aufmerksamkeit könne Leben retten.
In Schleswig-Holstein wurden Personen aus zu dünnem Eis gerettet: Ein zwölfjähriges Mädchen wurde aus einem See gezogen, nachdem sie mit ihrem Hund eingebrochen war. Am Bodensee musste ein weiterer Mensch aus dem eiskalten Wasser gerettet werden, ebenso ein Helfer. Beide wurden mit Unterkühlungen ins Krankenhaus gebracht.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) informiert kontinuierlich über aktuelle Warnungen in Deutschland, um Bevölkerung und Behörden auf die extreme Wetterlage vorzubereiten.
Zuvor schrieben wir Arbeitslosigkeit 2026: Über drei Millionen Menschen betroffen, Investitionen sollen Entlastung bringen.
