Deutschland hat ein Vorauskommando der Bundeswehr auf den Weg nach Grönland geschickt, um mögliche Beiträge zur Sicherheit der arktischen Region zu prüfen, berichtet 4thebike.de mit Verweis auf die ursprüngliche Berichterstattung von bytow24.pl. Das Kontingent besteht aus 15 Soldaten, die zunächst nach Dänemark fliegen und von dort aus gemeinsam mit einem dänischen Erkundungsteam weiter in die Arktis reisen.
Die deutschen Soldaten werden als Teil eines europäischen Einsatzteams in die grönländische Hauptstadt Nuuk gebracht. Ziel des Einsatzes ist es, die operativen und klimatischen Bedingungen für eine mögliche Sicherung der Region zu analysieren. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der Überprüfung von Möglichkeiten zur Überwachung des Seeraums rund um Nuuk. Nach Angaben aus Berlin ist der Aufenthalt der Bundeswehrangehörigen zunächst bis Samstag geplant.
Die Entsendung erfolgt auf Einladung der dänischen Regierung. Neben Deutschland beteiligen sich auch mehrere NATO-Partner an der Mission, darunter Frankreich, Schweden, Finnland und Norwegen. Frankreich ist bereits mit 15 Gebirgsjägern in Nuuk vertreten. Diese sollen nach Angaben aus Paris in Kürze Verstärkung erhalten.
Der französische Präsident Emmanuel Macron kündigte an, dass Frankreich in den kommenden Tagen zusätzliche Land-, Luft- und Seestreitkräfte in die Arktis entsenden werde. Konkrete Details zu Umfang und Einsatzdauer nannte er nicht. Bei einem Besuch eines Luftwaffenstützpunktes im Südosten Frankreichs erklärte Macron, Europa trage eine besondere Verantwortung für Grönland. Frankreich und andere europäische Staaten müssten ihre Interessen dort schützen, wo sie bedroht seien, ohne dabei eine Eskalation anzustreben.
Der Einsatz der europäischen Streitkräfte findet vor dem Hintergrund politischer Spannungen rund um Grönland statt. In Washington hatten Gespräche zwischen den USA, Dänemark und Grönland über die Zukunft der Insel zuvor keine Einigung gebracht. US-Präsident Donald Trump hält an seinen Plänen fest, Grönland unter US-Kontrolle zu bringen, und begründet dies mit einer angeblichen Bedrohung durch Russland und China. Eine gewaltsame Übernahme schloss er öffentlich nicht aus.
Diese Aussagen haben bei europäischen NATO-Partnern Besorgnis über die Stabilität des Bündnisses ausgelöst. Grönland ist ein autonomes Gebiet des Königreichs Dänemark, das ebenso wie die USA Mitglied der NATO ist. Die dänische Regierung lehnt eine Übernahme der Insel durch die Vereinigten Staaten ab.
Auch die Bundesregierung positionierte sich klar gegen entsprechende Pläne. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius erklärte, Russland und China nutzten die Arktis zunehmend militärisch und stellten damit die Freiheit von Verkehrs-, Kommunikations- und Handelswegen infrage. Die NATO werde dies nicht akzeptieren. Deutschland beteilige sich an der Erkundungsmission unter dänischer Führung und stimme sich dabei eng mit den Bündnispartnern, insbesondere den USA, ab.
Kritik an der Entsendung der Bundeswehr kam aus der Partei Die Linke. Parteivorsitzender Jan van Aken sprach sich dafür aus, Grönland stärker diplomatisch statt militärisch zu unterstützen. Er verwies darauf, dass Frankreich plane, am 6. Februar ein Konsulat in Nuuk zu eröffnen. Deutschland verfügt bislang über keine vergleichbare Vertretung vor Ort. Nach Angaben der Bundesregierung ist weiterhin die deutsche Botschaft in Kopenhagen für Grönland zuständig; zusätzlich wird die Bundesrepublik durch einen Honorarkonsul vertreten.
Zuvor schrieben wir Laura Karasek und Evelyn Burdecki bei Wer weiß denn sowas – alle Infos zur heutigen Folge
