Startseite DeutschlandCDU-Wirtschaftsrat fordert Kürzungen bei Arbeitslosengeld, Rente und Zahnarztkosten – Debatte um Sozialstaat eskaliert

CDU-Wirtschaftsrat fordert Kürzungen bei Arbeitslosengeld, Rente und Zahnarztkosten – Debatte um Sozialstaat eskaliert

CDU-Wirtschaftsrat fordert Kürzungen bei Arbeitslosengeld, Rente und Zahnarztleistungen – Konflikte mit Arbeitnehmervertretern verschärfen Sozialstaatsdebatte.

von Mike Schwarz
CDU-Wirtschaftsrat fordert Kürzungen bei Arbeitslosengeld, Rente und Zahnarztleistungen – Konflikte mit Arbeitnehmervertretern verschärfen Sozialstaatsdebatte.

Die Diskussion um den Sozialstaat innerhalb der CDU sorgt für wachsende Spannungen zwischen Wirtschaftsvertretern und Arbeitnehmerorganisationen. Der CDU-nahe Wirtschaftsrat hat in einem aktuellen sechsseitigen Papier unter anderem vorgeschlagen, das Arbeitslosengeld künftig auf ein Jahr zu begrenzen, die Mütterrente sowie die Rente mit 63 abzuschaffen, zahnärztliche Behandlungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung auszuschließen und Unfälle auf dem Arbeitsweg nicht mehr zu berücksichtigen, berichtet 4thebike.de auf ARD-Hauptstadtstudio. Diese Forderungen stoßen nicht nur auf Kritik innerhalb der Partei, sondern lösen auch öffentliche Debatten über die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland aus.

Dennis Radtke, Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), äußert sich besorgt über die wiederkehrenden Vorschläge des Wirtschaftsflügels, die seiner Ansicht nach fälschlicherweise der gesamten Partei zugeschrieben werden. Er kritisiert, dass die Union bei der Kommunikation von Reformen bislang kaum Fortschritte gemacht habe. Radtke sieht die Gefahr, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als Hauptverantwortliche für Reformbedarf wahrgenommen werden könnten, obwohl der Sozialstaat insgesamt modernisiert werden müsse.

Parallel dazu äußerte CSU-Chef Markus Söder, dass die Deutschen nach Brückentagen häufiger krank seien und ein Mehr an Arbeitsstunden pro Woche zum Erhalt des Wohlstands notwendig sei. Kanzler Friedrich Merz unterstrich kürzlich, dass Work-Life-Balance und Viertagewoche nicht ausreichen, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands zu sichern, und forderte ebenfalls mehr Arbeitsleistung. Arbeitnehmervertreter innerhalb der CDU sehen darin eine einseitige Belastung der Beschäftigten.

Die Kommunikation über notwendige Sozialstaatsreformen gestaltet sich nach Ansicht von Radtke schwierig. Selbst Vorschläge der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), wie etwa den Rechtsanspruch auf „Lifestyle-Teilzeit“ nicht zu beschließen, zeigten, dass Reformen ein sensibles Vorgehen erfordern. Er betont die Notwendigkeit einer wertschätzenden und differenzierten Kommunikation gegenüber Arbeitnehmern, die von pauschalen Forderungen nicht verunsichert werden sollten.

Auch außerhalb der CDU stoßen die Vorschläge auf Widerstand. SPD-Politikerinnen wie Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kritisieren, dass die Union an der Lebensrealität vieler Menschen vorbeiplane. CDU-Wahlkämpfer wie der rheinland-pfälzische Spitzenkandidat Gordon Schnieder bewerten die Idee, Zahnarztbesuche künftig selbst zu finanzieren, als „absurd“. Gleichzeitig sieht Generalsekretär Carsten Linnemann die Notwendigkeit, Sozialreformen voranzutreiben, ohne die Debatte zu polarisieren. Kanzler Merz betonte auf einem CDU-Parteitag, dass der heutige Sozialstaat wirtschaftlich nicht mehr tragbar sei, bleibt aber in seiner Linie konsequent.

Kritik kommt ebenfalls von den Gewerkschaften. DGB-Chefin Yasmin Fahimi warnte, dass ein systematischer Druck auf den Sozialstaat nicht zu Wachstum, sondern zu Frust führen könne. Der CDU-Parteitag am 20. Februar in Stuttgart wird zeigen, wie die Partei den Reformbedarf kommunizieren und welche Rolle Arbeitnehmer dabei einnehmen sollen.

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