Startseite DeutschlandWirtschaftsweise Schnitzer weist CDU-Kritik an Teilzeit zurück und fordert Fokus auf Produktivität

Wirtschaftsweise Schnitzer weist CDU-Kritik an Teilzeit zurück und fordert Fokus auf Produktivität

Ökonomin Monika Schnitzer kritisiert die Teilzeit-Debatte der Union und betont, dass Wachstum durch Produktivität, Digitalisierung und Investitionen entsteht.

von Mike Schwarz
Ökonomin Monika Schnitzer kritisiert die Teilzeit-Debatte der Union und betont, dass Wachstum durch Produktivität, Digitalisierung und Investitionen entsteht.

Die Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Monika Schnitzer, hat die von Teilen der CDU angestoßene Debatte über eine Einschränkung des Rechts auf Teilzeitarbeit scharf kritisiert und sie als nicht zielführend bezeichnet, berichtet 4thebike.de. Nach Ansicht der Ökonomin gehe es bei der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands nicht um die Anzahl der geleisteten Wochenarbeitsstunden, sondern um die Leistungsfähigkeit der Arbeit selbst.

Schnitzer reagierte damit auf Forderungen aus dem Wirtschaftsflügel der Union, die sich gegen sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“ richten. Diese Diskussion bezeichnete sie als unglücklich, da sie am Kern des Problems vorbeigehe. Wirtschaftliches Wachstum lasse sich nicht erzwingen, indem Beschäftigte länger arbeiten, sondern entstehe durch höhere Produktivität. Entscheidend sei, dass Unternehmen stärker in moderne Technologien investieren und ihre Prozesse digitalisieren und automatisieren.

Wenn Beschäftigte mit leistungsfähigeren Maschinen, moderner Software und Künstlicher Intelligenz arbeiten könnten, sei es möglich, in der gleichen Zeit deutlich mehr zu leisten, erklärte Schnitzer. Produktivitätsfortschritte seien aus ihrer Sicht der zentrale Hebel, um Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum zu sichern. Dafür brauche es gezielte Investitionen, sowohl in technische Infrastruktur als auch in Innovationen in den Betrieben.

Die Wirtschaftsweise kritisierte zudem den Ton der aktuellen Debatte. Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage werde erneut nach vermeintlich Verantwortlichen gesucht. Zunächst seien Empfänger von Bürgergeld ins Visier geraten, nun würden Teilzeitbeschäftigte als Problem dargestellt. Dieser Ansatz führe jedoch nicht weiter und lenke von strukturellen Herausforderungen ab.

Schnitzer verwies darauf, dass die Erwerbsquote in Deutschland in den vergangenen Jahren gestiegen sei, insbesondere bei Frauen. Viele könnten jedoch gar nicht in Vollzeit arbeiten, da die Kinderbetreuung weiterhin unzureichend sei. Zusätzlich wirkten steuerliche Regelungen wie das Ehegattensplitting als Anreiz, eine Vollzeitbeschäftigung für Zweitverdiener weniger attraktiv zu machen.

Auch die häufig geäußerte Kritik an der Arbeitsbereitschaft jüngerer Generationen wies Schnitzer zurück. Es sei aus ihrer Sicht verfehlt, pauschal auf die Generation Z zu zeigen. Nach ihrer Einschätzung seien es nicht selten ältere Beschäftigte, die sich bewusst für einen früheren Renteneintritt entschieden hätten. Die jüngeren Generationen hingegen träten schneller in den Arbeitsmarkt ein und leisteten insgesamt mehr Arbeitsstunden als frühere Jahrgänge.

Hintergrund der Debatte ist ein Antrag des CDU-Wirtschaftsflügels für den Bundesparteitag, der ursprünglich eine Einschränkung des Rechtsanspruchs auf Teilzeitarbeit vorsah. Der Antrag trug zunächst den Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ und stieß auch innerhalb der Union auf deutliche Kritik. Inzwischen wurde der Text überarbeitet: Statt einer Abschaffung ist nun davon die Rede, bestehende Teilzeitansprüche zu „ordnen“, der umstrittene Begriff wurde aus dem Antrag gestrichen.

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