Startseite DeutschlandAfD Sachsen-Anhalt 2026: Machtkampf und Vetternwirtschaft belastet Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

AfD Sachsen-Anhalt 2026: Machtkampf und Vetternwirtschaft belastet Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

In Sachsen-Anhalt eskaliert ein Machtkampf in der AfD, Familien-Anstellungen sorgen für Kritik, der Bundesvorstand soll eingreifen.

von Mike Schwarz
In Sachsen-Anhalt eskaliert ein Machtkampf in der AfD, Familien-Anstellungen sorgen für Kritik, der Bundesvorstand soll eingreifen.

In Sachsen-Anhalt spitzt sich der Machtkampf innerhalb der AfD vor der Landtagswahl in knapp sieben Monaten weiter zu, berichten 4thebike.de mit Verweis auf das ARD-Hauptstadtstudio. Im Landesverband häufen sich Vorwürfe der Vetternwirtschaft und internen Intrigen, die zunehmend öffentlich diskutiert werden und die Partei insgesamt in Bedrängnis bringen könnten.

Der Bundesvorstand der AfD diskutierte am Montag in einer fast zweieinhalbstündigen Sitzung über die Lage. Ein zentrales Thema war die Eskalation im Landesverband Sachsen-Anhalt, wo Konflikte zwischen dem Landesvorstand und dem früheren Generalsekretär Jan Wenzel Schmidt auftraten. Schmidt wird von der Parteispitze Bereicherung und Untreue vorgeworfen; ein Parteiausschlussverfahren wurde eingeleitet. Schmidt reagierte seinerseits mit Gegenangriffen, warf der Landesspitze Vetternwirtschaft vor und drohte mit weiteren Enthüllungen.

Medienberichte, unter anderem von ZDF Frontal, deckten ein Netz gegenseitiger Anstellungen von Familienmitgliedern auf. Mehrere Angehörige von Abgeordneten sollen in den Büros anderer Parteikollegen beschäftigt sein, darunter der Vater des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. Diese sogenannten Überkreuz-Anstellungen sind rechtlich erlaubt, stoßen jedoch auf Kritik innerhalb und außerhalb der Partei. AfD-Vorstandsmitglied Carsten Hütter betont: „Auch wenn die Beschäftigung legal ist, hinterlässt dies durchaus ein Geschmäckle.“

Vorstandsmitglied Kay Gottschalk wird von mehreren Mitgliedern als möglicher Vermittler zwischen den verfeindeten Lagern gesehen. Siegmund verteidigt die Anstellung seines Vaters in einem Social-Media-Video: Vertrauen sei entscheidend, ein Problem sehe er nicht. Sein Vater, zuvor Elektroingenieur, soll für 7.725 Euro beim Bundestagsabgeordneten Thomas Korell angestellt sein. Siegmund fordert zudem seine Follower auf, den Vorwürfen nicht zu glauben.

Mitglieder aus Sachsen-Anhalt appellieren an den Bundesvorstand, sich einzuschalten. In einem Schreiben heißt es, die historische Chance auf eine Regierungsübernahme dürfe nicht durch interne Fehler verspielt werden. Sie fordern eine unabhängige Prüfung der Vorgänge und ein ordnendes Eingreifen des Bundesvorstands, um die Partei geschlossen und kampagnenfähig zu halten. Offiziell wurde das Schreiben jedoch aus Zuständigkeitsgründen an den Landesvorstand weitergeleitet.

Parteichef Tino Chrupalla betont wiederholt, dass die Anstellungen rechtlich zulässig seien, räumt jedoch ein, dass er ein „Störgefühl“ habe. Der rechtsextreme Publizist Götz Kubitschek kritisiert die entstandene Glaubwürdigkeitslücke und fordert ein Aufräumen. Unterstützung erhält er von Björn Höcke, AfD-Landeschef in Thüringen, der auf X erklärt, Scheitern könne nur an der eigenen Partei geschehen, sei aber „im Bereich des Möglichen“.

Noch gibt es keine Entscheidung, wie der Bundesvorstand weiter vorgehen wird. Jan Wenzel Schmidt selbst zeigt sich konstruktiv, hält Kay Gottschalk für einen geeigneten Vermittler und wünscht ein schnelles Ergebnis „zum Wohle der Partei“, damit die AfD wieder gemeinsam agieren könne. Ob dies vor den anhaltenden Vorwürfen und Verwerfungen möglich ist, bleibt fraglich.

Zuvor schrieben wir Wahl‑O‑Mat 2026 Baden‑Württemberg: 21 Partei vergleichen & eigene Position prüfen

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