Startseite GesundheitSchauspieler Walter Schultheiß stirbt mit 101 Jahren – Legende der schwäbischen Bühne

Schauspieler Walter Schultheiß stirbt mit 101 Jahren – Legende der schwäbischen Bühne

Walter Schultheiß, Schauspieler und Mundart-Ikone, starb mit 101 Jahren in Wildberg. Sein Lebenswerk reicht über sieben Jahrzehnte Bühne und Film.

von Mike Schwarz
Walter Schultheiß, Schauspieler und Mundart-Ikone, starb mit 101 Jahren in Wildberg. Sein Lebenswerk reicht über sieben Jahrzehnte Bühne und Film.

Der Schauspieler Walter Schultheiß, bekannt als schwäbischer Urgestein und „dienstältester“ Schauspieler im deutschen Fernsehen, ist im Alter von 101 Jahren verstorben, berichtet 4thebike.de mit Bezug auf den SWR. Schultheiß starb am 22. Dezember friedlich im Beisein seiner Angehörigen in Wildberg im Kreis Calw, wo er bis zuletzt lebte.

Geboren wurde Walter Schultheiß im Mai 1924 in Tübingen. Bereits als Zwölfjähriger faszinierte ihn das Theater, und er errichtete ein eigenes Schattentheater, um Figuren aus Goethes „Faust“ zum Leben zu erwecken. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Schultheiß seine Schauspielausbildung und trat zunächst in Tübingen und später in Stuttgart auf. Während seiner Zeit am Stuttgarter Volkstheater perfektionierte er seine Stimme und Sprachtechnik und lernte dort auch seine spätere Ehefrau Trudel Wulle kennen. Erste Engagements folgten ebenso wie zahlreiche Hörspielrollen beim damaligen SDR, zunächst auf Hochdeutsch.

Besondere Bekanntheit erlangte Schultheiß durch seine Mundart-Hörspiele fürs Radio, die ihm eine treue Zuhörerschaft sicherten. In den 1960er-Jahren feierte er großen Erfolg mit der Straßenkehrer-Serie „Karle und Gottlob“ an der Seite von Werner Veith, deren Sketche wöchentlich im Radioprogramm des Süddeutschen Rundfunks ausgestrahlt wurden und heute als Kulturgut der schwäbischen Region gelten.

Auch das Fernsehen öffnete ihm neue Türen. Schultheiß wirkte in Produktionen wie „Tatort“ und Serien wie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ mit, wobei er den hintersinnigen, humorvollen Schwaben mit einem Augenzwinkern verkörperte. Anfang der 1980er Jahre begann die Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Felix Huby, der ihm zahlreiche Rollen auf den Leib schrieb, darunter „Köberle kommt“, „Der König von Bärenbach“ oder „Pfarrerin Lenau“. Huby beschrieb Schultheiß als „Star der stillen Art“ und lobte seine Bodenständigkeit.

Seine erste Hauptrolle in einem Kinofilm übernahm Schultheiß 2013 im Alter von 89 Jahren in der Tragikomödie „Global Player – Wo wir sind isch vorne“ von Hannes Stöhr, in der er einen 90-jährigen Firmenpatriarchen spielte. Bis ins hohe Alter von 93 Jahren stand er weiterhin vor der Kamera, zuletzt in der Komödie „Laible und Frisch – Do ghot dr Doig“ gemeinsam mit Trudel Wulle.

Neben der Schauspielerei widmete sich Walter Schultheiß der Poesie und Malerei, blieb bis zuletzt kreativ und eng verbunden mit seiner Familie. Nach dem Tod seiner Frau Trudel Wulle Ende 2021 zog er sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück und lebte in Wildberg zusammen mit seinem Sohn Götz, dessen Ehefrau und den Enkelinnen. Mit seinem über sieben Jahrzehnte währenden Schaffen bleibt Schultheiß für viele Nachwuchsschauspielerinnen und -schauspieler ein Vorbild und eine prägende Persönlichkeit der schwäbischen Kultur.

Zuvor schrieben wir über SPD-Landtagsabgeordneter Michael Simon überraschend verstorben – Trauer über Parteigrenzen.

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