Die Stand-up-Comedienne Julia Brandner hat sich entschieden, keine Kinder zu bekommen, und sich daher sterilisieren lassen. In ihrem neuen Bühnenprogramm und im Interview äußert sich die 30-Jährige zu ihrem Leben ohne Kinder, Frauenrechten und den Erfahrungen mit Hasskommentaren im Internet, berichtet 4thebike.de auf IMAGO. Brandner, die gebürtige Österreicherin, tourt derzeit mit ihrem Soloprogramm „Calm your tits“ durch Deutschland und Österreich und spricht dabei offen über gesellschaftliche Themen, persönliche Erfahrungen und ihre selbst gewählte Kinderfreiheit.
Vor zwei Jahren entschied sich Brandner für eine Sterilisation, da sie sich ein Leben mit Kindern nicht vorstellen kann. Ihre Beweggründe beschreibt sie in ihrem Buch „I’m not kidding – Warum ich keine Kinder möchte und dafür keine Entschuldigung brauche“. Sowohl online als auch auf der Bühne thematisiert sie die Kinderfreiheit und Sterilisation immer wieder. In ihrem neuen Programm erzählt sie humorvoll von Klischees, die mit kinderfreien Frauen verbunden werden, und diskutiert gesellschaftliche Erwartungen, die Frauen traditionell an die Mutterschaft knüpfen.
Auf die Frage nach den Reaktionen auf ihre Entscheidung erklärt Brandner, dass viele Menschen ihre Entscheidung kritisch sehen, weil sie selbst unzufrieden mit ihren Lebensentscheidungen seien oder traditionelle Werte favorisierten. Besonders Kommentare wie „Viel Spaß mit deinen Katzen, wenn du alt bist und alleine“ oder die Annahme, sie werde irgendwann den „richtigen Mann“ treffen und dann keine Kinder mehr bekommen können, begegnen ihr häufig. Für Brandner ist klar, dass Frauen unabhängig von Männern über ihr Leben und ihren Körper entscheiden können.
Neben Kinderfreiheit spricht Brandner im Interview auch über ihren Einsatz für Frauenrechte. Kürzlich war sie Gesicht einer Kampagne der Stadt Wien gegen sexualisierte Gewalt. Dabei betont sie die Wichtigkeit, dass „Nein“ auch wirklich „Nein“ bedeutet und jede Form von Zwang oder Überredung bereits Gewalt darstellt. Brandner berichtet, dass sie selbst Erfahrungen mit Überredung gemacht hat und die Kampagne daher persönlich unterstützt.
Die Comedienne ist zudem regelmäßig Anfeindungen im Netz ausgesetzt. Laut Brandner stammen etwa 95 Prozent der Hasskommentare von Männern. Um sich zu schützen, arbeitet sie seit rund einem Jahr mit einer Anwaltskanzlei zusammen, die Unterlassungserklärungen bei besonders aggressiven Kommentaren durchsetzt. Brandner betont, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sei und dass diese Maßnahmen nicht nur ihr, sondern auch anderen Frauen im Netz helfen sollen.
Ihr aktuelles Programm „Calm your tits“ behandelt neben Kinderfreiheit und Feminismus auch Themen wie Bisexualität, Hochzeiten und private Anekdoten aus ihrem Leben. Dabei verzichtet Brandner bewusst auf die öffentliche Darstellung bestimmter Aspekte, etwa Beziehungen, Wohnort oder gesundheitliche Eingriffe, um Privatsphäre zu wahren. Unterschiede im Publikum zwischen Deutschland und Österreich bemerkt sie nur sprachlich: In Österreich versteht man sie meist besser aufgrund ihres Dialekts.
Rückblickend auf ihre Schulzeit an einer katholischen Mädchenschule erklärt Brandner, dass diese Erfahrungen sowohl Herausforderungen als auch Inspiration für ihre Comedy-Karriere gebracht hätten. Sie habe zudem die Kirche verlassen und einen kritischen Blick auf Religion entwickelt, was auch ihr späteres Coming-out beeinflusste.
Zukünftige Projekte der Comedienne umfassen neben Comedy nun auch fiktionale Texte. Aktuell arbeitet sie an einem Roman über eine Rock-Star-Romance, inspiriert von einer Schwärmerei für den Frontman der australischen Band Melrose Avenue, in dem sie erneut neue kreative Wege geht.
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