Der französische Spielepublisher Ubisoft hat angesichts anhaltender finanzieller Schwierigkeiten eine tiefgreifende Umstrukturierung bekannt gegeben, die sowohl Schließungen von Studios als auch die Einstellung mehrerer Spiele umfasst, berichtet 4thebike.de з посиланням auf eurogamer.
Die Unternehmensführung betont, dass das bisherige Geschäftsmodell nicht mehr den aktuellen Marktbedingungen entspricht und die neuen Maßnahmen weitreichende Auswirkungen auf die Organisation, das Projektportfolio und die Finanzplanung haben werden.
Im Zentrum der Neuausrichtung steht die Bildung von fünf „Creative Houses“. Jedes dieser Häuser übernimmt die Verantwortung für bestimmte Marken und Spielkonzepte. Ein Haus fokussiert sich auf die Weiterentwicklung der größten Franchises wie Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six, während ein weiteres Haus kompetitive und kooperative Shooter wie The Division, Ghost Recon und Splinter Cell betreut. Mit dieser Umstrukturierung will Ubisoft die Entscheidungswege verkürzen, die Produktentwicklung beschleunigen und die Kontrolle über das Portfolio präziser gestalten.
Parallel zur Einführung der Creative Houses kündigte Ubisoft die Einstellung von insgesamt sechs in Entwicklung befindlichen Spielen an. Besonders hervorzuheben ist das Remake von Prince of Persia: The Sands of Time, das ursprünglich 2020 angekündigt wurde, mehrfach verschoben wurde und nun vollständig gestrichen ist. Nach Unternehmensangaben entspricht das Projekt nicht mehr der neuen Geschäftsstrategie. Künftig soll der Fokus stärker auf Open-World-Titeln und sogenannten „Games as a Service“ liegen, die langfristige Einnahmen generieren. Die weiteren fünf eingestellten Spiele wurden nicht namentlich bekanntgegeben und befanden sich größtenteils noch in frühen Entwicklungsphasen.
Im Zuge der Restrukturierung plant Ubisoft, in den kommenden zwei Jahren zusätzliche 200 Millionen Euro einzusparen. Zusammen mit den rund 300 Millionen Euro, die bereits in den vergangenen Jahren eingespart wurden, ergeben sich signifikante Kostensenkungen, die zwangsläufig auch Entlassungen zur Folge haben werden. Bereits zuvor wurden Stellenabbauten beim Studio Massive Entertainment bestätigt. Die Gesamtzahl der betroffenen Arbeitsplätze ist derzeit nicht bekannt.
Die Umstrukturierung hat bereits zu konkreten Maßnahmen geführt: Das mobile Ubisoft-Studio in Halifax sowie das Studio in Stockholm werden geschlossen. Zudem sind Anpassungen bei den Teams in Abu Dhabi, RedLynx und Massive in Planung. Für die deutschen Ubisoft-Standorte mit etwa 800 Beschäftigten bleiben die genauen Konsequenzen zunächst unklar. Die Mainzer Teams, die an der Anno-Reihe arbeiten, werden dem vierten Creative House zugeordnet, das sich auf erzählerische und fantastische Spielwelten spezialisiert. Zusätzlich ordnete Ubisoft an, dass Mitarbeitende wieder an fünf Tagen pro Woche vor Ort im Büro arbeiten, wobei Homeoffice nur eingeschränkt möglich ist.
Auch bei geplanten Spielveröffentlichungen kommt es zu Verzögerungen: Sieben Titel, darunter ein bislang nicht offiziell angekündigtes Projekt, das in der Branche als mögliches Remake von Assassin’s Creed Black Flag gehandelt wird, werden verschoben, um höhere Qualitätsstandards zu erfüllen. Die Veröffentlichung dieser Titel ist nun für das nächste Geschäftsjahr vorgesehen. Infolgedessen senkte Ubisoft seine Finanzprognose: Der Nettoumsatz wird nun auf etwa 1,5 Milliarden Euro geschätzt, rund 330 Millionen Euro unter den bisherigen Erwartungen.
Ubisoft-CEO Yves Guillemot bezeichnete die getroffenen Entscheidungen als „Wendepunkt“ für das Unternehmen. Die Neuausrichtung werde sich deutlich auf die kurzfristigen Finanzergebnisse in den Geschäftsjahren 2026 und 2027 auswirken, langfristig aber zu stabilerem Wachstum und verlässlichen Cashflows führen. Das Unternehmen erhält weiterhin Unterstützung durch Investitionen verschiedener Partner, darunter große internationale Konzerne.
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