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Finanzmärkte unter Druck: SAP verliert bis zu 16 Prozent, Gold und Bitcoin brechen ein

Starke Kursschwankungen bei SAP, Microsoft, Gold und Bitcoin verunsichern Anleger. Die Bafin warnt vor erhöhten Risiken an den Finanzmärkten.

von Mike Schwarz
Starke Kursschwankungen bei SAP, Microsoft, Gold und Bitcoin verunsichern Anleger. Die Bafin warnt vor erhöhten Risiken an den Finanzmärkten.

Die internationalen Finanzmärkte haben zum Ende der vergangenen Woche deutliche Turbulenzen erlebt, nachdem mehrere große Anlageklassen gleichzeitig unter Druck gerieten, berichtet 4thebike.de auf Тaz. Auslöser waren kräftige Kursverluste bei führenden Technologieunternehmen, starke Preisrückgänge bei Edelmetallen sowie anhaltende Schwäche bei Kryptowährungen, was die Nervosität der Investoren spürbar erhöhte.

Den Anfang machten deutliche Kursverluste im Technologiesektor. Der US-Konzern Microsoft verlor trotz solider Geschäftszahlen spürbar an Börsenwert. Kurz darauf folgte der deutsche Softwarehersteller SAP, dessen Aktie innerhalb weniger Stunden zeitweise um bis zu 16 Prozent nachgab. Bei dem bis dahin wertvollsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands reagierten Anleger vor allem auf einen weniger überzeugenden Ausblick im Cloud-Geschäft. Dies überraschte viele Marktteilnehmer, da SAP für das Jahr 2025 einen Nettogewinn von 7,5 Milliarden Euro auswies und zugleich ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von zehn Milliarden Euro ankündigte, das üblicherweise als kursstützend gilt.

Am Freitag griff die Unruhe auch auf die Rohstoffmärkte über. Der Silberpreis brach innerhalb kurzer Zeit um rund 30 Prozent ein. Kostete eine Feinunze am Donnerstag noch etwa 115 US-Dollar, fiel der Preis bis zum frühen Montagmorgen auf rund 73 US-Dollar. Auch Gold verlor nach einem langen Höhenflug deutlich an Wert. Noch unter der Woche mussten Käufer zeitweise mehr als 5.500 US-Dollar pro Unze zahlen, zum Wochenende sank der Kurs jedoch unter 4.900 US-Dollar. Zum Wochenbeginn setzte sich der Rückgang fort, wobei Gold weitere rund 350 US-Dollar verlor. Parallel startete auch der deutsche Leitindex DAX schwächer in die neue Handelswoche und notierte zunächst etwa ein halbes Prozent im Minus.

Stark unter Druck gerieten zudem digitale Vermögenswerte. Der Bitcoin notierte zuletzt bei rund 76.000 US-Dollar und lag damit deutlich unter seinem Höchststand von etwa 125.000 US-Dollar aus dem Oktober des Vorjahres. Auch Ethereum, die zweitgrößte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung, verzeichnete spürbare Verluste.

Marktbeobachter nennen mehrere Faktoren für die außergewöhnlich starken Schwankungen. Im Fall von SAP werden Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit des Cloud-Geschäftsmodells angeführt. Der Konzern bietet neben klassischer Unternehmenssoftware seit Jahren auch Serverkapazitäten, Datenbanken, Analysewerkzeuge und Netzwerkdienste gegen Lizenzgebühren an. Eine zentrale Unsicherheit ist dabei die weitere Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, die den Wettbewerb in diesem Segment verschärfen könnte. SAP-Finanzvorstand Dominik Asam erklärte gegenüber dem Handelsblatt, ein derart heftiger Effekt auf den Aktienkurs habe ihn überrascht.

Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz gilt derzeit als einer der größten Unsicherheitsfaktoren an den Kapitalmärkten. Führende Unternehmen wie Nvidia, Google oder Meta werden mit sehr hohen Bewertungen gehandelt und investieren weltweit Milliardenbeträge in neue Rechenzentren. Umstritten ist, ob diese Investitionen in absehbarer Zeit zu entsprechend hohen Gewinnen führen. Während skeptische Analysten bereits Anzeichen einer Blasenbildung sehen, halten andere Marktbeobachter die Bewertungen für gerechtfertigt und verweisen auf langfristige Wachstumspotenziale durch KI-Anwendungen.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die politische Lage in den USA. Die Zollpolitik von Präsident Donald Trump sowie wiederholte Angriffe auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed haben das Vertrauen in die wirtschaftliche Stabilität der Vereinigten Staaten zeitweise belastet. In der vergangenen Woche geriet dadurch auch der US-Dollar kurzfristig unter Verkaufsdruck. Analysten führen den vorangegangenen starken Anstieg der Gold- und Silberpreise unter anderem auf diese politischen Risiken zurück, da beide Metalle als sichere Anlagehäfen gelten. Der jüngste Preisverfall wird hingegen damit erklärt, dass Trump einen Kandidaten für die künftige Führung der Notenbank benannt hat, dem zugetraut wird, die Unabhängigkeit der Fed zu wahren, und ein erneuter Haushaltsstillstand der USA abgewendet werden konnte.

Angesichts dieser Gemengelage gehen die Einschätzungen zur weiteren Marktentwicklung weit auseinander. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin warnt in ihrem aktuellen Risikobericht vor einer angespannten Lage für Anleger. Trotz einzelner positiver Kursbewegungen bleibe das Umfeld fragil. Internationale Handelskonflikte, die hohe Staatsverschuldung wichtiger Industrienationen sowie stark gestiegene Bewertungsniveaus, insbesondere im Technologiesektor, könnten nach Einschätzung der Aufseher eine ausgeprägte Marktkorrektur auslösen.

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