Die elektronische Patientenakte (ePA), die seit dem vergangenen Jahr verfügbar ist, zeigt weiterhin erhebliche Defizite in der praktischen Anwendung. Ärztevertreter und Verbraucherschützer kritisieren die komplizierte Umsetzung, während nur wenige Versicherte die Akte aktiv nutzen, berichtet 4thebike.de mit Verweis auf die tagesschau.
Hausarzt Bahman Afzali aus Bedburg im nordrhein-westfälischen Raum hat bereits positive Erfahrungen mit der ePA gesammelt. Kürzlich kam ein neuer Patient in seinen Notdienst, der ein Schilddrüsenmedikament benötigte, sich aber nicht mehr an den Hersteller erinnern konnte. Mithilfe der elektronischen Akte ließ sich schnell feststellen, welches Medikament der Patient tatsächlich einnimmt. Trotz dieser Vorteile zeigt sich Afzali frustriert über die Umsetzung. Besonders der Registrierungsprozess der ePA gilt als „absurd kompliziert“, so der Deutsche Hausärzteverband. Zusätzlich beklagen Ärzte häufige technische Störungen und das Fehlen einer Volltextsuche innerhalb der Akte.
Die Hürden bei der Nutzung betreffen nicht nur die Ärzte. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen verwalten nur 18 Prozent der gesetzlich Versicherten ihre Akte selbst oder über eine bevollmächtigte Person. 71 Prozent nutzen sie nicht aktiv, neun Prozent haben der Nutzung widersprochen oder die Akte gelöscht.
Zu Beginn der ePA-Nutzung zeigte sich bei Afzalis Patientinnen und Patienten ein höheres Interesse. Dieses Engagement sei inzwischen aber wieder abgeflaut, erklärt Afzali. Patient Kevin Büttner betont, dass er die Vorteile der Akte zwar erkenne, selbst aber noch nicht daran gedacht habe, seine medizinischen Befunde eigenständig einzusehen. „Man kennt es: Arbeit hier, Familie dort. Da denkt man samstagmittags nicht daran, die Patientenakte aufzurufen“, sagt Büttner.
Verbraucherschützer wie Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, fordern die Integration wichtiger Funktionen in die ePA. Dazu gehören etwa Impfhefte, der Mutterpass oder Bonushefte für den Zahnarzt. Ihrer Ansicht nach könnte die elektronische Akte damit endlich ihren tatsächlichen Nutzen für die Versicherten entfalten. Trotz der aktuellen Schwierigkeiten sehen die Verbraucherschützer großes Potenzial in der ePA, wenn diese konsequent weiterentwickelt wird.
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