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Linksextreme „Vulkangruppen“ verursachen Stromausfall in Berlin – Behörden ermitteln weiter

Nach einem Brandanschlag auf Berliner Stromleitungen ermitteln Polizei und Verfassungsschutz gegen linksextreme "Vulkangruppen". Details zu Vorfällen seit 2011.

von Mike Schwarz
Linksextreme "Vulkangruppen" verursachen Stromausfall in Berlin

Nach einem mutmaßlich linksextremistischen Anschlag auf das Stromnetz in Berlin ist die Bundesregierung weiterhin unsicher über die Verantwortlichen, meldet 4thebike.de. Das Bekennerschreiben der sogenannten „Vulkangruppe“ sei bislang nicht endgültig auf Authentizität geprüft, erklärte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums. Das Bundesamt für Verfassungsschutz überwache den Vorgang intensiv, während der Generalbundesanwalt bisher keine Ermittlungen übernommen hat, berichtete eine Sprecherin des Justizministeriums. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bezeichnete den Vorfall als Terrorakt und machte linksextremistische Gruppen für den Stromausfall verantwortlich, wobei die Berliner Innenverwaltung das eingegangene Bekennerschreiben als authentisch einstuft.

Die „Vulkangruppen“ werden vom Bundesamt für Verfassungsschutz als seit 2011 aktive linksextremistische Organisationen geführt, die wiederholt Brandanschläge auf zentrale Infrastrukturpunkte in Berlin und Brandenburg verübt haben. Dabei kam es mehrfach zu Stromausfällen, Störungen der Telekommunikation und Beeinträchtigungen des öffentlichen Nahverkehrs. Trotz der langen Aktivität und der verursachten Schäden sind Polizei und Verfassungsschutz kaum in der Lage, die Mitglieder oder Strukturen dieser Gruppen genau zu identifizieren. Die Texte der Bekennerschreiben weisen große Ähnlichkeiten in Stil, Aufbau und Inhalt auf, was auf einen teil-identischen Autorenkreis hindeutet. Auch ein Strategiepapier von 2015 deutet auf feste organisatorische Strukturen hin, während das „Personenpotenzial in Berlin“ weiterhin unbekannt bleibt.

In den Bekennerschreiben verwenden die Gruppen wechselnde Namen mit Bezug zu isländischen Vulkanen wie Grimsvötn, Katla oder Ok, vermutlich inspiriert vom Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010, der den europäischen Flugverkehr stark beeinträchtigte. Ziel der Sabotageakte waren unter anderem Kabelschächte entlang von Bahnlinien, Funkmasten, Datenleitungen und Firmenfahrzeuge. Die Angriffe sollen Schwachstellen der Mobilitäts- und Kommunikationsinfrastruktur aufzeigen, öffentliche Abläufe stören und erhebliche Sachschäden verursachen. Der aktuelle Brand an einer Kabelbrücke am Teltowkanal in Berlin, der zum Stromausfall führte, wurde nach bisherigen Erkenntnissen durch Brandsätze verursacht.

Die Anzahl der Anschläge durch die „Vulkangruppen“ ist nicht vollständig bekannt. Bis 2024 waren den Sicherheitsbehörden elf strafbare Vorfälle bekannt, zu denen sich die Gruppen seit 2011 öffentlich bekannten, wobei später weitere Taten hinzukamen. Ein besonders schwerer Fall ereignete sich am 23. Mai 2011, als eine Kabelbrücke am Berliner Ostkreuz brannte, wodurch der Bahnverkehr massiv gestört wurde. Die Täter bezeichneten sich in einem Bekennerschreiben nach dem Vulkan Eyjafjallajökull. Im März 2018 verübte eine „Vulkangruppe“ einen Brandanschlag auf Starkstromleitungen in Berlin-Charlottenburg, wodurch etwa 6.500 Wohnungen und 400 Firmen stundenlang ohne Strom waren und ein Millionenschaden entstand.

Im Jahr 2021 standen die Gruppen im Verdacht, die Stromversorgung einer Tesla-Baustelle angegriffen zu haben. Am 5. März 2024 wurde ein großer Strommast in Brand gesetzt, der für die Versorgung der Tesla-Fabrik erforderlich war. Die Produktion kam durch diese Sabotage tagelang zum Erliegen, die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen wegen Terrorverdachts. Am 1. Mai 2025 bekannte sich die Gruppe zu einem Brandanschlag an einem Trafohäuschen und einer Funkmastanlage in Berlin-Dahlem. Die Polizei bestätigte die Authentizität des Bekennerschreibens, in dem die Täter erklärten: „Villenviertel lahmlegen. (…) Wir können uns diese Reichen nicht mehr leisten.“ Ob weitere Brandanschläge, beispielsweise im Februar 2025 auf einen Kabelschacht der Bahn, im Zusammenhang mit den „Vulkangruppen“ stehen, ist bislang unklar. Ähnliche Stilmerkmale lassen jedoch auf einen Bezug schließen; ein linksextremistisches Bekennerschreiben im September 2025 trug die Unterschrift „Einige Anarchist:innen“.

Zuvor schrieben wir über US-Spezialeinheiten stürzen Maduro in Venezuela – Präsident und Ehefrau festgenommen.

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