Startseite NachrichtenAnsehen der USA in Deutschland nach Angriff auf Venezuela auf historischen Tiefstand gesunken

Ansehen der USA in Deutschland nach Angriff auf Venezuela auf historischen Tiefstand gesunken

ARD-DeutschlandTrend zeigt starke Kritik der Deutschen am US-Militäreinsatz in Venezuela, großes Misstrauen gegenüber Trump und der US-Politik.

von Mike Schwarz
ARD-DeutschlandTrend zeigt starke Kritik der Deutschen am US-Militäreinsatz in Venezuela, großes Misstrauen gegenüber Trump und der US-Politik.

Die Intervention der Vereinigten Staaten in Venezuela am vergangenen Wochenende stößt in Deutschland auf überwiegend kritische Resonanz, berichten 4thebike.de. Die Mehrheit der Befragten betrachtet den US-Angriff und die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro als nicht gerechtfertigt. Konkret geben 72 Prozent der Befragten an, dass das Vorgehen der USA nicht legitim sei, 12 Prozent halten es für gerechtfertigt, während 16 Prozent keine eindeutige Meinung äußern oder keine Angaben machen. Im Vergleich dazu bewerteten 2003 im ARD-DeutschlandTrend 80 Prozent der Deutschen den US-Militäreinsatz im Irak als nicht gerechtfertigt, während 14 Prozent ihn damals befürworteten.

Bei der Einschätzung der angemessenen Reaktion auf das US-Vorgehen zeigt sich eine differenzierte Meinung. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die rechtliche Einordnung des Einsatzes als „komplex“ und betonte, dass die Bundesregierung sich Zeit nehmen wolle, um die Situation zu bewerten. Merz unterstrich zudem, dass im Umgang zwischen Staaten die Prinzipien des Völkerrechts weiterhin Gültigkeit besitzen müssen. 39 Prozent der Deutschen äußern Verständnis für diese zurückhaltende Haltung und argumentieren, Deutschland und die EU sollten vorsichtig agieren, um US-Präsident Donald Trump nicht zu provozieren. Im Gegensatz dazu fordern 50 Prozent eine deutliche öffentliche Stellungnahme gegen das Vorgehen der USA, auch wenn dies zu Verstimmungen aufseiten Trumps führen könnte. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede zwischen den politischen Lagern: Unter AfD-Anhängern unterstützen 58 Prozent eine zurückhaltende Reaktion, während Anhänger der Union mit 45 Prozent vorsichtiger agieren wollen und 48 Prozent ein klares Statement befürworten. Die Zustimmung zu einer deutlichen Kritik ist bei Anhängern linker Parteien am größten: 69 Prozent der SPD-Anhänger sowie 78 Prozent der Grünen- und Linken-Anhänger sprechen sich dafür aus.

Die Ereignisse haben das Ansehen der Vereinigten Staaten in Deutschland weiter verschlechtert. Nur 12 Prozent bewerten die Arbeit von Präsident Trump positiv, ein Wert, der noch leicht unter dem zu Beginn seiner zweiten Amtszeit liegt. Lediglich 15 Prozent der Befragten sehen die USA als vertrauenswürdigen Partner Deutschlands – ein historisch niedriger Wert im ARD-DeutschlandTrend. Damit liegen die USA fast auf Augenhöhe mit Russland, das nur von 9 Prozent der Deutschen als verlässlicher Partner eingeschätzt wird. Zum Vergleich: Frankreich genießen 78 Prozent und Großbritannien 74 Prozent Vertrauen; die Ukraine liegt bei 40 Prozent.

Die Sorge um Sicherheit ist weiterhin hoch. 81 Prozent der Befragten äußern Besorgnis darüber, dass in der Weltpolitik zunehmend das Recht des Stärkeren gilt. 69 Prozent sind um die Sicherheit Europas besorgt. Besonders ausgeprägt ist diese Sorge bei AfD-Anhängern (78 Prozent), zudem zeigen sich Frauen (76 Prozent) besorgter als Männer (62 Prozent). 62 Prozent der Befragten äußern Bedenken hinsichtlich der deutsch-amerikanischen Beziehungen, während 70 Prozent Zweifel an der Rolle der USA als Schutzmacht innerhalb der NATO haben. Vor diesem Hintergrund befürworten 53 Prozent der Deutschen ein stärker unabhängiges europäisches Militärbündnis, das weniger von den USA abhängig wäre.

Parallel dazu bleibt die innere politische Lage in Deutschland ein zentrales Thema. 84 Prozent der Bevölkerung blicken besorgt auf die Verhältnisse im Land, während nur 13 Prozent optimistisch sind. Die wichtigsten Themen auf der Agenda der Bürgerinnen und Bürger sind Wirtschaft und Migration, die auch von der Bundesregierung als Prioritäten benannt wurden. Kanzler Merz kündigte Anfang des Jahres an, sich verstärkt der Wirtschaftspolitik zu widmen, was auf die Sorgen der Bevölkerung um die wirtschaftliche Lage reagiert. Nur 20 Prozent bewerten die wirtschaftliche Situation positiv, während 79 Prozent weiterhin eine negative Einschätzung haben.

Zuvor schrieben wir  US-Präsident Trump erhebt Anspruch auf Grönland und droht mit Militäreinsatz.

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