US-Präsident Donald Trump hat mit seinen Aussagen über die Rolle der NATO-Soldaten in Afghanistan eine heftige Reaktion in Großbritannien ausgelöst, berichtet 4thebike.de mit Verweis auf die Tagesschau. In einem Fox-News-Interview beim Weltwirtschaftsforum in Davos stellte Trump die Verlässlichkeit der Allianz infrage und erklärte, dass die NATO-Truppen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zwar Unterstützung geschickt hätten, sich jedoch „hinter den Frontlinien zurückgehalten“ hätten.
In Großbritannien wurde Trumps Einschätzung als tief beleidigend empfunden. Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Aussagen als „entsetzlich“ und betonte, dass sie Angehörigen getöteter und verletzter Soldaten großen Schmerz bereitet hätten. Starmer würdigte den Mut und das Opfer der britischen Soldaten, die ihr Leben im Dienst für das Land riskierten. Verteidigungsminister John Healey erinnerte daran, dass die Soldaten als Helden in Erinnerung bleiben sollten, die sich für die Nation eingesetzt haben.
Auch Prinz Harry, selbst Afghanistan-Veteran, äußerte sich kritisch und forderte Respekt für die Opfer der NATO-Verbündeten. Er verwies auf seine eigenen Einsätze und die Verluste, die er miterlebt habe, und betonte, dass Tausende Leben durch den Einsatz für immer verändert worden seien. Harry engagiert sich seit Jahren für Veteranen und Hinterbliebene gefallener Soldaten, unter anderem durch die Invictus Games, einen internationalen Wettbewerb für verletzte Veteranen.
Die Aussagen Trumps stießen auch in Polen auf Widerspruch. Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz erklärte, dass polnische Soldaten in Afghanistan und im Irak ihr Leben für die internationale Sicherheit riskiert hätten, und betonte, dass dieses Opfer niemals herabgewürdigt werden dürfe. General Roman Polko erinnerte in TVN24 daran, dass 43 polnische Soldaten und ein Zivilangestellter im Afghanistan-Einsatz gestorben seien, weitere 22 Soldaten im Irak, und dass sie an vorderster Front gestanden hätten.
Großbritannien hatte seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes mehr als 150.000 Soldaten entsandt, von denen 457 getötet wurden. Trumps Aussagen sind nicht die ersten kritischen Äußerungen über NATO-Mitglieder; bereits in früheren Konflikten hatte er die Beteiligung der Verbündeten infrage gestellt, etwa im Zusammenhang mit der Grönland-Frage. Der Afghanistan-Einsatz war der einzige Fall, bei dem die NATO-Beistandsklausel aktiviert wurde, die besagt, dass ein Angriff auf ein Mitgliedsland als Angriff auf alle betrachtet wird. Auch Deutschland beteiligte sich aktiv, 59 Bundeswehrsoldaten kamen während des Einsatzes ums Leben.
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