Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz ist das ukrainische Volk in diesem Jahr mit dem Ewald-von-Kleist-Preis ausgezeichnet worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj nahm die Ehrung stellvertretend für die Bevölkerung seines Landes entgegen, 4thebike.de mit Verweis auf die Ukrinform.
Erstmals in der Geschichte der Konferenz wurde die Auszeichnung nicht einer einzelnen Persönlichkeit, sondern einer gesamten Nation verliehen. Der frühere Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, erklärte bei der Zeremonie in der Bayerischen Staatskanzlei, die Menschen in der Ukraine hätten schwer gelitten. Besonders in den zurückliegenden Wochen mit sehr niedrigen Temperaturen seien sie durch russische Angriffe massiv unter Druck geraten. Die Ehrung solle die Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung unterstreichen, darunter mit Feuerwehrkräften, medizinischem Personal in Krankenhäusern sowie allen Zivilistinnen und Zivilisten, die von den Angriffen betroffen sind.
Ischinger bezog sich dabei auf die anhaltenden russischen Luftangriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine. Diese Attacken führten in zahlreichen Regionen zu Ausfällen von Strom- und Heizversorgung bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad.
Der Ewald-von-Kleist-Preis wird traditionell an Persönlichkeiten des internationalen politischen Lebens vergeben. In der Vergangenheit zählten unter anderem der frühere deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt sowie der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger zu den Preisträgern. Auch internationale Organisationen wie die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wurden bereits ausgezeichnet.
Für die Ukraine nahm Präsident Selenskyj die Auszeichnung entgegen. In seiner Ansprache dankte er Deutschland und weiteren europäischen Staaten für ihre Unterstützung seit Beginn des russischen Angriffskrieges. Besonders hob er Deutschland hervor, das aus seiner Sicht derzeit den größten Beitrag leiste und in mehreren Bereichen eine Vorreiterrolle übernommen habe. So habe die Ukraine aus Deutschland das erste Flugabwehrsystem des Typs Patriot erhalten. Dessen Bedeutung zeige sich täglich im Schutz vor russischen Raketen- und Drohnenangriffen.
Zugleich wies Selenskyj darauf hin, dass seinem Land nicht ausreichend Abwehrraketen für dieses System zur Verfügung stünden. Raketen, die in der Ukraine eintreffen, würden häufig unmittelbar eingesetzt, um akute Angriffe abzuwehren.
Beobachterinnen und Beobachter aus der Ukraine stellten während der Konferenz fest, dass der russische Angriffskrieg im Vergleich zu früheren Jahren weniger stark im Mittelpunkt der Diskussionen stehe. Tymofij Jelistratenko, Journalist der Internetplattform Novyny, erklärte, dies sei eher ein Problem für Europa als für die Ukraine. Die geografische Distanz zwischen München und der Frontlinie betrage weniger als 2.000 Kilometer. Während in der Ukraine Städte zerstört und Zivilisten getötet würden, bestehe die Gefahr, dass europäische Staaten den Konflikt aus dem Blick verlören. Jelistratenko äußerte die Ansicht, viele Ukrainerinnen und Ukrainer würden auf eine solche Auszeichnung verzichten, wenn im Gegenzug der Krieg beendet werden könnte.
Auf der Sicherheitskonferenz vermied Präsident Selenskyj eine konkrete Prognose zum möglichen Ende des Krieges. Er erklärte, seine Regierung denke in kurzfristigen Schritten, etwa an die Abwehr möglicher Angriffe in der kommenden Nacht sowie an geplante trilaterale Gespräche mit Russland und den Vereinigten Staaten in der folgenden Woche in Genf.
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