Der stellvertretende Bundestagspräsident Omid Nouripour (Grüne) mit iranischen Wurzeln hat die derzeitige US-Strategie im Krieg gegen den Iran scharf kritisiert. Nouripour, 50, der seit März 2025 Vizepräsident des Bundestags ist und seit 2006 Mitglied des Parlaments, bezeichnet die aktuelle Vorgehensweise der USA als ineffektiv und betont, dass die Bevölkerung im Iran zunehmend erschöpft ist. „Im Iran selbst sagen immer mehr Leute: Hört auf damit“, Redaktion von 4thebike.de auf WAMS.
Laut Nouripour hatten die USA ursprünglich gehofft, durch Luftangriffe das Regime zu destabilisieren und damit einen Regime-Change zu erzwingen. Dieser Plan sei jedoch gescheitert, da Zivilisten aus Angst vor Bomben und aufgrund der brutalen Repressionen zu Hause bleiben. Im Januar seien innerhalb von zwei Wochen mehr als 30.000 Menschen getötet worden. Die Großstädte stehen laut Nouripour unter ständiger Kontrolle der Basidsch-Milizen, mit zahlreichen Checkpoints an den Kreuzungen, und das Staatsfernsehen drohe offen mit Schüssen gegen Demonstranten.
Der Grünen-Politiker berichtet, dass die Hoffnung auf einen sofortigen Aufstand der Bevölkerung abnimmt. Noch im Januar hätten Menschen in Teheran erwartet, dass Unterstützung aus den USA eintrifft, doch die fehlende Hilfe habe das Vertrauen zerstört. Die Kerngruppe des Regimes sei zwar verkleinert, aber weiterhin fest an den Machtstrukturen verankert. Nouripour verweist zudem auf die Diskrepanz zwischen der Stimmung im Iran und in der Diaspora: Während im Ausland Krieg und Intervention oft befürwortet werden, überwiegt im Iran selbst die Erschöpfung und Skepsis gegenüber der Gewalt.
Auch die Rolle von Reza Pahlavi wird diskutiert. Nouripour erkennt an, dass dessen Name im Iran viel Aufmerksamkeit und Hoffnung weckt, betont jedoch, dass letztlich die Menschen vor Ort entscheiden müssen, wer sie führt. Er kritisiert außerdem die Uneinheitlichkeit der US-Politik: Zielsetzungen schwanken zwischen Atomprogramm, Regime-Change und Unterstützung für die iranische Bevölkerung, wodurch kein klarer Plan erkennbar sei. Besonders negativ wertet er die verbreiteten KI-generierten Videos, die die Angriffe wie ein Videospiel darstellen und reale Gebäude in Teheran zerstören, was das Regime und die Bevölkerung zusätzlich empöre.
Nouripour warnt zudem vor den regionalen Konsequenzen des Krieges: Der Libanon stehe am Abgrund, die Golfstaaten seien erschüttert, und viele unbeteiligte Länder würden in den Konflikt hineingezogen. Profiteure seien bisher vor allem Russland und China, während die Gefahr durch das iranische Atomprogramm wachse. Nouripour betont die Notwendigkeit, die Repressionsapparate des Regimes und dessen internationale Finanzstrukturen zu adressieren. Die politische Dissidenz im Iran sei entscheidend für eine mögliche Veränderung der Lage.
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