Startseite SportReinhold Würth mit 90 kritisiert deutsche Arbeitsmoral: Feiertage, Kranktage und Produktivität im Fokus

Reinhold Würth mit 90 kritisiert deutsche Arbeitsmoral: Feiertage, Kranktage und Produktivität im Fokus

Reinhold Würth mit 90 warnt vor Arbeitsmüdigkeit in Deutschland: Mehr Leistung, weniger Krankheit – der Milliardär bleibt aktiv im Familienunternehmen.

von Mike Schwarz
Reinhold Würth mit 90 warnt vor Arbeitsmüdigkeit in Deutschland: Mehr Leistung, weniger Krankheit – der Milliardär bleibt aktiv im Familienunternehmen.

Künzelsau – Reinhold Würth übernahm im Alter von 19 Jahren das Schraubengeschäft seines Vaters. Heute, mit 90 Jahren, leitet seine Firma ein Milliarden-Unternehmen, und der „Schraubenkönig“ bleibt aktiv im Blick auf die Arbeitswelt Deutschlands, berichtet 4thebike.de auf Bild.

In einem Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen kritisierte Würth, dass Deutschland sich stärker anstrengen müsse: „Wir müssen wieder mehr schaffen in Deutschland. Wir müssen fleißiger werden. Es ist doch eine verrückte Idee von Gewerkschaftern, einen Feiertag, der auf einen Samstag oder Sonntag fällt, nachzuholen. Wo sind wir denn? Wer so etwas fordert, muss der Meinung sein, das Geld falle wie Schneeflocken vom Himmel.“

Der Unternehmer, der sich bereits vor einigen Jahren aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hatte und Anfang letzten Jahres seinen Posten im Stiftungsaufsichtsrat an seinen Enkel Benjamin übergab, analysiert die Arbeitsbedingungen in Deutschland weiterhin kritisch. Seiner Einschätzung nach werden in anderen Ländern bei deutlich niedrigeren Stundenlöhnen länger gearbeitet, während deutsche Arbeitnehmer häufiger krank sind als in vergleichbaren Industriestaaten.

Damit griff Würth indirekt die aktuelle Debatte um die telefonische Krankschreibung auf, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kürzlich erneut angestoßen hatte. Merz argumentiert, dass deutsche Beschäftigte dadurch bis zu drei Wochen pro Jahr krank seien – aus seiner Sicht zu viel. Die Bundesregierung prüft derzeit das Verfahren der Krankschreibung.

Im Interview warnt Würth eindringlich vor dem gesellschaftlichen Niedergang: „Nach der Phase des Wohlstands, des Wohllebens, der Pracht, ja der Freiheit und des freien Worts wuchsen in Deutschland die Begehrlichkeiten nach mehr Geld und noch weniger Arbeit. Die Work-Life-Balance wurde immer mehr in Richtung Life-Balance verschoben.“ Er betont, dass die jüngeren Arbeitnehmer von ihren Babyboomer-Eltern stark verwöhnt wurden, was es schwer mache, die Arbeitsmoral zu ändern.

Trotz seines Alters bleibt Würth aktiv: „So diktiere ich manchmal um 21.30 Uhr abends zu Hause noch Briefe und gehe immer wieder ins Büro.“

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