Startseite SportWarum die Abschiebungen unter Trump und Obama kaum vergleichbar sind – Zahlen und Fakten im Überblick

Warum die Abschiebungen unter Trump und Obama kaum vergleichbar sind – Zahlen und Fakten im Überblick

Abschiebungen unter Trump und Obama lassen sich kaum vergleichen: Unterschiede bei Datengrundlagen, Behörden und Definitionen erschweren die Analyse.

von Mike Schwarz
Abschiebungen unter Trump und Obama lassen sich kaum vergleichen: Unterschiede bei Datengrundlagen, Behörden und Definitionen erschweren die Analyse.

Die Debatte über Abschiebungen in den USA gewinnt angesichts der Proteste gegen die Einwanderungspolitik von Präsident Donald Trump an Fahrt. Viele Nutzer in sozialen Netzwerken ziehen dabei Vergleiche zu den Abschiebungszahlen unter Barack Obama – diese Vergleiche sind jedoch aus mehreren Gründen problematisch, berichtet 4thebike.de.

Im Netz werden häufig Zahlen zum ersten Amtsjahr von Trump herangezogen, um seine Migrationspolitik im Vergleich zu Obama zu bewerten. So kursieren Beiträge, wonach Obama im Jahr 2012 rund 409.000 Menschen abgeschoben habe, während Trump 2025 etwa 290.000 Abschiebungen veranlasst habe. Andere Beiträge betonen die insgesamt 3,1 Millionen Abschiebungen unter Obama sowie über 56 Todesfälle in ICE-Gewahrsam. Diese Zahlen werden oft genutzt, um Trumps Politik relativ zu verharmlosen oder zu kritisieren, doch die Vergleichbarkeit ist stark eingeschränkt.

Ein Grund dafür ist die unklare Datengrundlage. In den USA existiert keine einheitliche Definition dessen, was genau als Abschiebung gilt. Der Oberbegriff „Deportations“ umfasst unterschiedliche Kategorien. So werden „Removals“ – formelle gerichtliche Anordnungen – von sogenannten „Returns“ unterschieden, bei denen keine gerichtliche Verfügung erforderlich ist. Hinzu kommt die Verantwortung zweier Behörden: Die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE ist für Abschiebungen innerhalb des Landes zuständig, während die Customs and Border Protection für Grenzen, Flughäfen und andere Grenzübergänge verantwortlich ist. Bei manchen Fällen arbeiten beide Behörden zusammen.

Die Trump-Regierung hat zudem die regelmäßige Veröffentlichung der monatlichen Abschiebungszahlen eingestellt. Stattdessen erscheinen unregelmäßige Pressemitteilungen des Ministeriums für Innere Sicherheit. Eine Mitteilung vom 20. Januar 2025 bezifferte die Abschiebungen im ersten Jahr auf über 670.000 Menschen, ohne genauere Details zur Methodik. Organisationen, die sich auf die Dokumentation von Abschiebungen spezialisiert haben, kommen auf niedrigere Zahlen. Das „Deportation Data Project“ zählt seit Amtsantritt Trumps rund 350.000 Abschiebungen, während das „Transactional Records Access Clearinghouse“ (TRAC) für Januar bis September 2025 etwa 234.000 Removals angibt. Hochgerechnet auf ein Jahr ergeben sich mindestens 312.000 Abschiebungen. Andere Quellen differenzieren zwischen Abschiebungen aus dem Landesinneren und schnellen Zurückweisungen an den Grenzen, was die Vergleichbarkeit zusätzlich erschwert.

Selbst US-Vizepräsident J.D. Vance betont, dass ein Vergleich mit Obama nicht zulässig sei: Unter Obama seien Zurückweisungen an der Grenze als Abschiebungen gezählt worden, während Trumps Verwaltung vorrangig Abschiebungen aus dem Inland dokumentiert. Analysen unabhängiger Organisationen und Medien widersprechen jedoch der Annahme, dass die Trump-Regierung die Grenzzurückweisungen bewusst ausklammert.

Die unterschiedlichen Quellen ergeben somit ein uneinheitliches Bild: Je nach Methode und Datenbasis schwanken die Abschiebungszahlen zwischen 312.000 und 540.000 Menschen pro Jahr. Damit liegen viele soziale Medienberichte deutlich unter den offiziellen Angaben der US-Regierung.

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