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Südafrika setzt Armee im Kapstadt‑Gangkrieg ein: Cape Flats Sicherheit, Bandenkrieg eskaliert

Über 1.000 Soldaten sollen Kapstadts Cape Flats gegen eskalierende Bandenkriege unterstützen. Gewalt, Drogenhandel und historische Ursachen bleiben große Herausforderung.

von Mike Schwarz
Über 1.000 Soldaten sollen Kapstadts Cape Flats gegen eskalierende Bandenkriege unterstützen. Gewalt, Drogenhandel und historische Ursachen bleiben große Herausforderung.

In den Townships der Cape Flats in Kapstadt eskaliert die Gewalt zwischen den rivalisierenden Gangs weiter. Die südafrikanische Regierung plant deshalb den Einsatz von über 1.000 Soldaten, um die Polizei bei der Eindämmung der blutigen Auseinandersetzungen zu unterstützen, die insbesondere durch Neuaufteilungen der Drogenhandelsterritorien ausgelöst werden, berichtet 4thebike.de mit Verweis auf tagesschau. Die Kämpfe zwischen den mehr als 90 Gangs, die nach Angaben der Polizei rund 100.000 Mitglieder haben, haben in den ersten Wochen dieses Jahres bereits mehr als 200 Todesopfer gefordert. Betroffen sind nicht nur Bandenmitglieder: Ende Januar wurde ein 13-jähriger Junge beim Fußballspielen auf der Straße von einer verirrten Kugel getötet.

Der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa kündigte die Truppenentsendung vor drei Wochen in seiner jährlichen Rede an die Nation an. Ziel sei es, die Polizei zu unterstützen und die Sicherheit vor Ort zu gewährleisten. Analysten werten die Maßnahme auch als Versuch des Präsidenten, Handlungsfähigkeit angesichts der eskalierenden Gewalt zu demonstrieren.

In den Cape Flats wird die Reaktion auf den Militäreinsatz unterschiedlich eingeschätzt. Einige Bewohner begrüßen die Präsenz der Soldaten, da sie auf ein Ende der mächtigen Banden hoffen. Nicole Jocobus, die in einer lokalen Nachbarschaftsgruppe aktiv ist, sagte der Zeitung People’s Post: „Es ist gut, dass die Armee unsere Polizei unterstützt, aber die Frage bleibt, wie lange sie bleiben werden.“ Gleichzeitig gibt es Befürchtungen, dass gewaltsame Proteste gegen die Truppen in den Townships auftreten könnten.

Bereits 2019 war die Armee in die Cape Flats entsandt worden, damals für knapp drei Monate. Während dieser Zeit ging die Mordrate zunächst zurück, die Banden tauchten jedoch nur unter und nahmen nach Abzug der Soldaten ihre Aktivitäten in Stadtteilen wie Phillipi, Hanover Park, Mitchell’s Plain, Khayelitsha, Manenberg, Nyanga, Lavender Hill und Bishop Lavis wieder auf. Diese Gebiete zählen zu den gefährlichsten weltweit. Unter den 30 Polizeirevieren mit den höchsten Mordraten Südafrikas liegen allein zehn in den Cape Flats. Bei bandenbezogenen Straftaten ist die Statistik noch deutlicher: 93 Prozent aller Fälle ereignen sich in diesem Gebiet.

Liewellyn MacMaster, Gründer der NGO Cape Crisis Crime Coalition, betont, dass ein Militäreinsatz die tief verwurzelte Gewalt nicht nachhaltig lösen kann. Vielmehr werde hier Symbolik über Substanz gestellt. Armut, Perspektivlosigkeit und schlechte Bildung in den Cape Flats nähren seit Generationen den Kreislauf der Gewalt. Ohne strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen lassen sich die Gangs langfristig nicht zurückdrängen.

Historisch betrachtet entstanden die Cape Flats aus Zwangsumsiedlungen während der Apartheid. In den 1950er- bis 1970er-Jahren wurden vor allem Angehörige der Xhosa und der sogenannten Coloureds unter dem Group Areas Act in diese Townships verlegt. Viele Familien wurden aus dem District Six vertrieben, Gemeinschaften aufgelöst und Arbeitslosigkeit begünstigt. Diese historischen Entwicklungen gelten als eine der Ursachen für die Bildung von Gangs und die tiefe Skepsis der Bewohner gegenüber staatlichen Institutionen.

Die Präsenz der Armee verdeutlicht auch die Überforderung der südafrikanischen Polizei, wie Soziologieprofessor Lindy Heinecken von der Universität Stellenbosch erläutert. Solange die Truppen in Bereitschaft stehen, um kritische Situationen zu stabilisieren, fehlt der Druck, interne Korruption zu bekämpfen, Strukturen zu verbessern und das Vertrauen der Bevölkerung wiederzugewinnen.

Die Operation soll in Kürze beginnen: Militärhubschrauber bringen Ausrüstung, Verpflegung und die ersten Soldaten in die Kasernen. Offiziell hat die Armee noch keinen genauen Starttermin für die Patrouillen veröffentlicht, doch Beobachter gehen davon aus, dass die ersten Einsätze in der kommenden Woche stattfinden werden.

Zuvor schrieben wir über Was schenken zum 8. März 2026: Originelle Ideen und Glückwünsche für Mama

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