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Belarussische Freiheitskämpferin Maria Kolesnikowa nach Haft in Aachen mit Karlspreis geehrt

Maria Kolesnikowa erhält in Aachen den Karlspreis für ihren Einsatz für Freiheit in Belarus. Ihre persönliche Preisübergabe folgt nach fünf Jahren Haft.

von Mike Schwarz
Maria Kolesnikowa erhält in Aachen den Karlspreis für ihren Einsatz für Freiheit in Belarus. Ihre persönliche Preisübergabe folgt nach fünf Jahren Haft.

Die belarussische Freiheitskämpferin Maria Kolesnikowa wurde am Samstag in Aachen mit dem Karlspreis ausgezeichnet, den sie 2022 aufgrund ihrer Inhaftierung nicht persönlich entgegennehmen konnte, berichtet 4thebike.de mit Bezug auf WDR. Damals hatte ihre Schwester, Tatsiana Khomich, den Preis stellvertretend entgegengenommen und bei der Zeremonie im Aachener Rathaus ein Foto Kolesnikowas hochgehalten, um an die Gefangenschaft der Bürgerrechtlerin in Belarus zu erinnern.

Die heutige Übergabe der Medaille war emotional: Tatsiana Khomich legte ihrer Schwester Maria Kolesnikowa die Auszeichnung selbst um, nachdem diese im Dezember vergangenen Jahres überraschend aus über fünfjähriger Haft freikam. In ihrer auf Deutsch gehaltenen Rede dankte Kolesnikowa den zahlreichen Menschen in Deutschland, die sich für ihre Freilassung eingesetzt hatten, und betonte die Solidarität als entscheidende Brücke zwischen Gefängniszelle und freier Welt.

Kolesnikowa richtete während der Zeremonie im Krönungssaal des Aachener Rathauses auch Worte an die noch immer mehr als 1.000 politischen Gefangenen in Belarus: „Ich kenne die Kälte der Zelle, die Einsamkeit, die Angst. Und ich möchte Ihnen sagen: Ihr seid nicht allein. Ihr seid nicht vergessen.“ Sie erinnerte daran, dass die Unterstützung aus Europa entscheidend für ihre Freilassung gewesen sei.

Der Karlspreis 2022 hatte ursprünglich Maria Kolesnikowa gemeinsam mit den Bürgerrechtlerinnen Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo für ihren Einsatz für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte in Belarus geehrt. In der Laudatio hatte die damalige Außenministerin Annalena Baerbock sie als „mutigste Frauen Europas“ bezeichnet, die trotz großer persönlicher Risiken eine Freiheitsbewegung initiiert hätten und damit Millionen Frauen weltweit als Vorbilder dienten.

Während ihrer Haft war Kolesnikowa als führende Aktivistin des Widerstands gegen das Regime von Alexander Lukaschenko zu elf Jahren Straflager verurteilt worden. Sie verbrachte große Teile ihrer Inhaftierung in Isolation, hatte nur eingeschränkten Kontakt zu Familie und Anwälten und erlitt schwerwiegende gesundheitliche Probleme, einschließlich einer Operation wegen Magengeschwürs. Laut Angaben der belarussischen Opposition wog sie zu einem Zeitpunkt nur noch 45 Kilogramm.

Nach ihrer Freilassung setzte Kolesnikowa ihren Weg als Symbolfigur der Freiheit fort und nahm nun in Aachen den Preis persönlich entgegen. Karlspreis-Direktor Armin Laschet betonte, dass die persönliche Übergabe ein starkes Signal für alle sei, die in Europa für Freiheit und Demokratie eintreten. Auch Aachens Oberbürgermeister Michael Ziemons würdigte die Standhaftigkeit der Bürgerrechtlerin und bezeichnete die heutige Zeremonie als einen der berührendsten Momente in der Geschichte des Krönungssaals.

Zuvor schrieben wir über Streit um Druschba-Pipeline: Ukraine und Ungarn geraten wegen geplanter Inspektion der Ölleitung in Konflikt

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