Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins trotz deutlich gestiegener Energiepreise und geopolitischer Unsicherheiten nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs unverändert bei 2,0 Prozent belassen, wie die Notenbank in Frankfurt heute mitteilte, 4thebike.de mit Verweis auf das tagesschau. Die Entscheidung markiert das sechste Mal in Folge, dass der für Banken und Sparer relevante Einlagenzins stabil bleibt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte, der Konflikt im Nahen Osten habe sowohl Aufwärtsrisiken für die Inflation als auch Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge.
Der Entschluss der EZB spiegelt die Strategie anderer westlicher Zentralbanken wider: So hielt die US-Notenbank Federal Reserve gestern ihren Leitzins konstant, ebenso die Schweizerische Nationalbank (SNB) bei null Prozent und die Bank of England bei 3,75 Prozent. Großbritannien verzeichnet damit das höchste Leitzinsniveau unter den G7-Staaten, obwohl die Notenbank seit Mitte 2024 bereits sechsmal gesenkt hat. Trotz der Zinspolitik bleibt die Inflation in Großbritannien mit 3 % zu Jahresbeginn hoch.
In der Eurozone lag die Inflationsrate zuletzt bei 1,9 Prozent im Februar, nahe dem mittelfristigen Ziel der EZB von 2 Prozent. Experten warnen jedoch vor einem Anstieg der Teuerung infolge des Iran-Kriegs und des Ölpreisschocks. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, betont, dass die Rahmenbedingungen für die EZB sich deutlich verändert hätten und selbst bei einer Entspannung auf den Ölmärkten höhere Inflationsraten zu erwarten seien. Auch EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane sieht ein länger andauerndes Konfliktszenario als Risikofaktor für Wirtschaftswachstum und Inflation.
Deutschland spürt die Folgen des Iran-Kriegs bereits durch steigende Benzin- und Gaspreise. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer prognostiziert, dass eine monatelange Eskalation den Ölpreis weiter in die Höhe treiben und die Inflation in der Eurozone auf mindestens drei Prozent steigern könnte. Nach Einschätzung von Analysten wirkt zudem das „Trauma von 2022“ nach: Die EZB hatte damals den Preisanstieg nach dem russischen Angriff auf die Ukraine unterschätzt, die Inflation im Euroraum stieg zeitweise auf über zehn Prozent. Experten wie Friedrich Heinemann vom ZEW-Institut gehen davon aus, dass die Notenbank künftig frühzeitiger auf Inflationserhöhungen reagieren wird, womit vor der Sommerpause bis zu zwei Zinsschritte wahrscheinlich sind.
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