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Warum können wir im Traum nicht kämpfen: Das Geheimnis der REM-Atonie

Warum können wir im Traum nicht kämpfen? Entdecken Sie die wissenschaftliche Erklärung der REM-Atonie, die Rolle von GABA und Glycin und die psychologische Bedeutung von Versagen.

von Mike Schwarz
Warum können wir im Traum nicht kämpfen? Entdecken Sie die wissenschaftliche Erklärung der REM-Atonie, die Rolle von GABA und Glycin und die psychologische Bedeutung von Versagen.

Warum können wir im Traum nicht kämpfen — diese Frage beschäftigt Schlafforscher und Laien gleichermaßen. Fast jeder kennt das frustrierende Gefühl im Traum, wenn die Muskeln versagen und man nicht zuschlagen oder fliehen kann. Dieses Phänomen ist nicht nur ein psychologisches Rätsel, sondern hat eine klare physiologische Ursache. Der Grund liegt in einem komplexen Schutzmechanismus unseres Gehirns während des Schlafes. Dieser Mechanismus ist entscheidend für unsere Sicherheit. Er verhindert, dass wir unsere Trauminhalte physisch ausleben und uns oder andere verletzen. Ohne diesen Schutz würden unsere Körper die Bewegungen aus den intensiven Träumen ausführen. Dies würde zu einer potenziell gefährlichen Situation führen. Die Fähigkeit, Träume zu erleben, aber nicht physisch darauf zu reagieren, ist ein Meisterwerk der Evolution. Eine detaillierte Erklärung dieses Schutzmechanismus liefert die Redaktion 4thebike.de.

Die Neurobiologie der Lähmung: Was ist REM-Atonie?

Das Phänomen, warum wir im Traum nicht kämpfen können, ist wissenschaftlich als REM-Atonie bekannt. Es tritt während der Rapid Eye Movement (REM)-Schlafphase auf. Dies ist die Phase, in der wir am intensivsten träumen. Während dieser Phase senden bestimmte Kerne im Hirnstamm, insbesondere der Nucleus subcoeruleus, hemmende Signale. Diese Signale blockieren die motorischen Neuronen im Rückenmark. Das Gehirn bleibt dabei extrem aktiv, ähnlich wie im Wachzustand. Die Muskeln des Körpers, mit Ausnahme der Augenmuskeln und des Zwerchfells, sind jedoch vollständig gelähmt.

Die Lähmung betrifft alle großen Skelettmuskelgruppen. Diese Lähmung dient dem Selbsterhalt. Sie verhindert, dass wir aus dem Bett fallen oder unsere Partner im Schlaf verletzen. Die Atonie ist ein notwendiger Zustand. Die Muskeln des Gesichts und des Rachens sind ebenfalls teilweise betroffen. Dies erklärt, warum das Sprechen im Traum oft nur gemurmelt oder unmöglich ist. Dieses komplexe neurochemische Zusammenspiel schützt uns jede Nacht zuverlässig.

Chemische Botenstoffe: Wie das Gehirn die Muskeln abschaltet

Um die vollständige REM-Atonie zu erreichen, nutzt das Gehirn spezifische Neurotransmitter. Diese Botenstoffe sind dafür verantwortlich, die motorischen Signale vom Gehirn zum Körper zu unterbinden. Es ist ein hochpräziser chemischer Prozess, der jeden Muskelimpuls stoppt.

Zwei zentrale Neurotransmitter sind an der REM-Atonie beteiligt:

  1. GABA (Gamma-Aminobuttersäure): Dies ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter im zentralen Nervensystem. GABA reduziert die Erregbarkeit von Neuronen. Es blockiert so effektiv die motorische Aktivität.
  2. Glycin: Dieser hemmende Botenstoff wirkt direkt auf die motorischen Neuronen im Rückenmark. Er verstärkt die Blockade.

Diese beiden Substanzen arbeiten synergetisch. Sie legen das motorische System des Körpers still, während die mentale Aktivität im Traum auf Hochtouren läuft. Die chemische Blockade ist der Hauptgrund, warum wir im Traum nicht kämpfen können. Es fühlt sich an, als ob die Muskeln keine Kraft hätten oder sich durch Sirup bewegen müssten. Dies ist eine direkte Folge der chemischen Hemmung.

Die häufigsten Traumszenarien: Versagen in Kampf und Flucht

Das Gefühl der Lähmung manifestiert sich im Traum oft in spezifischen Szenarien. Der Träumende versucht typischerweise, sich zu verteidigen oder zu fliehen. Das Scheitern dieser Versuche ist extrem frustrierend. Diese Szenarien sind direkte Interpretationen der REM-Atonie durch unser träumendes Bewusstsein.

Drei häufige Lähmungsszenarien im Traum:

  • Die versagende Faust: Der Schlag wird nur langsam oder kraftlos ausgeführt. Die Faust scheint das Ziel nicht zu erreichen.
  • Die langsamen Beine: Man versucht wegzulaufen, aber die Beine bewegen sich nur mühsam. Dies ist wie Laufen unter Wasser.
  • Der stumme Schrei: Man versucht laut um Hilfe zu rufen, aber es kommt nur ein leises Wimmern oder kein Ton heraus.

Die psychologische Deutung besagt, dass diese Trauminhalte oft mit Gefühlen der Hilflosigkeit im Wachleben korrespondieren. Der Mangel an körperlicher Fähigkeit im Traum spiegelt möglicherweise die Unfähigkeit wider, im Alltag Grenzen zu setzen.

Störungen der Atonie: Wenn der Schutzmechanismus versagt

Obwohl die REM-Atonie in der Regel zuverlässig funktioniert, gibt es Fälle, in denen dieser Schutzmechanismus gestört ist. Solche Störungen führen zu ungewollten und manchmal gefährlichen motorischen Aktivitäten während des Schlafs.

Drei bekannte Störungen, bei denen die Atonie versagt:

StörungBeschreibungRisiko
REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD)Die Lähmung setzt nicht oder nur teilweise ein. Träumende handeln ihre Träume physisch aus.Verletzungsgefahr für sich selbst oder den Bettpartner.
Schlafwandeln (Somnambulismus)Tritt meistens in den Non-REM-Phasen auf. Die Betroffenen können aufstehen und umhergehen.Unfallrisiko durch unkontrolliertes Bewegen.
SchlafparalyseDie Atonie hält kurz nach dem Aufwachen an. Das Bewusstsein ist wach, aber der Körper gelähmt.Hohe Angst und Halluzinationen, aber keine physische Gefahr.

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) ist die wichtigste pathologische Ausnahme, warum wir im Traum nicht kämpfen können. Bei dieser Störung ist der natürliche Bremsmechanismus gestört. Die Träumenden können tatsächlich nach Objekten greifen oder um sich schlagen.

Wenn das Gefühl der Lähmung oder die Erfahrung, im Schlaf aktiv zu sein, häufig auftritt, sollte eine ärztliche Konsultation in Betracht gezogen werden. Die Schlafforschung hat in den letzten Jahren große Fortschritte bei der Behandlung dieser Störungen gemacht. Das Verständnis der REM-Atonie ist der Schlüssel zur Diagnose solcher Schlafstörungen.

Psychologischer Kontext: Die Interpretation der Hilflosigkeit

Aus psychologischer Sicht ist die Unfähigkeit zu kämpfen im Traum eine Metapher. Sie spiegelt die unbewussten Konflikte des Träumenden wider. Das Gefühl, in einer Notsituation machtlos zu sein, ist häufig in Traumsymbolen verankert.

Der Traum fordert den Träumenden auf:

  • Anerkennung der Blockade: Der Traum signalisiert, dass im Wachleben eine Situation vorliegt, in der man sich blockiert fühlt.
  • Umgang mit Konflikten: Er weist auf Schwierigkeiten hin, Konflikte offen anzusprechen oder Grenzen zu verteidigen.
  • Selbstwirksamkeit: Er kann ein Indikator für geringes Selbstvertrauen oder ein Gefühl der Ohnmacht sein.

Der Traum des Kampfversagens ist somit eine Aufforderung des Unbewussten. Er soll dazu anregen, die Quellen der Hilflosigkeit im Wachleben zu untersuchen.

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