Cem Özdemir oder Manuel Hagel – über diese Frage entscheidet heute Baden-Württemberg, nachdem Winfried Kretschmann nach 15 Jahren als Ministerpräsident nicht mehr antritt. Kretschmann zählt nicht nur zu den am längsten amtierenden Ministerpräsidenten der Bundesrepublik, sondern gilt auch als einer der populärsten deutschen Politiker, mit Zustimmungswerten von bis zu 84 Prozent in besten Zeiten. In den letzten Monaten schien er der einzige grüne Politiker zu sein, der die breite Mitte ansprechen und ein Land erfolgreich regieren konnte, berichtet 4thebike.de mit Verweis auf tagesschau.
Bis zum Herbst lag die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten und Landesvorsitzenden Manuel Hagel in Umfragen rund zehn Punkte vor den Grünen und Cem Özdemir, dem ehemaligen Bundeslandwirtschaftsminister. Doch kurz vor der Wahl hat sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen entwickelt: In der ARD-Vorwahlumfrage zehn Tage vor der Abstimmung liegen die CDU bei 28 Prozent und die Grünen bei 27 Prozent nahezu gleichauf.
Ein besonderes Merkmal dieses Duells ist, dass beide Parteien nach der Wahl wahrscheinlich weiterhin koalieren werden. Özdemir punktet in den Umfragen mit einem Vertrauensvorsprung: 47 Prozent der Befragten trauen ihm zu, das Amt des Ministerpräsidenten gut auszufüllen. Er hat es geschafft, sich von der grünen Partei zu distanzieren und den Eindruck zu vermitteln, dass er unabhängig von Parteitagsbeschlüssen entscheidet. Hagel, der bisher nicht der Landesregierung angehörte, kämpft vor allem um Bekanntheit. Nur 29 Prozent der Wähler trauen ihm zu, das Amt kompetent auszuführen, während 40 Prozent ihn kaum einschätzen können.
Die CDU profitiert trotz des geringeren Bekanntheitsgrades ihres Spitzenkandidaten von ihrem wirtschaftspolitischen Image. Die Partei gilt weiterhin als kompetent in Fragen der Wirtschaft und Arbeitsplätze, ein entscheidender Faktor in Baden-Württemberg, wo die Wirtschaft zuletzt stärker geschrumpft ist als im Bundesdurchschnitt, insbesondere in der Autoindustrie. In der infratest dimap-Umfrage nennen 29 Prozent der Befragten die Wirtschaft als das zentrale Wahlthema, während soziale Sicherheit, Umwelt, Klima und innere Sicherheit mit 15–17 Prozent deutlich dahinterliegen. Das Thema Zuwanderung spielt nur eine untergeordnete Rolle.
Andere Parteien stehen vor Herausforderungen: Die FDP kämpft nach dem Ende der Ampelregierung und dem gescheiterten Einzug in den Bundestag mit einer schwachen Ausgangsposition. Die Linkspartei könnte erstmals in den Landtag einziehen, setzt auf soziale Sicherheit und junge Erstwähler, da das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt wurde. Die SPD hingegen droht, nach Bayern 2023 erneut nur einstellig abzuschneiden. Ihre Kompetenz im Bereich soziale Gerechtigkeit wird von nur 20 Prozent der Befragten gesehen, ein historisch niedriger Wert für westdeutsche Bundesländer.
Die Wahl ist der erste Stimmungstest für die Bundesregierung seit deren Bildung im Mai. Die Zustimmung ist gering, und die Sorgen der Bevölkerung – um Lebensstandard, Altersversorgung, Sicherheit in Europa sowie Demokratie und Rechtsstaat – dominieren die Wahrnehmung. CDU und SPD wird von den Wählern gleichermaßen vorgeworfen, Versprechen nicht eingelöst zu haben, während die AfD als künftige stärkste Oppositionspartei profitiert. Sie könnte ihr bisher bestes Landtagswahlergebnis in Westdeutschland erzielen, da Enthüllungen über Verwandte von AfD-Politikern in Abgeordnetenbüros nur einen Teil der Anhänger verärgern. Wie bei früheren Wahlen wird die Mobilisierung entscheidend sein, wer künftig die Landesregierung führt.
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