Startseite NachrichtenEx-BND-Chef August Hanning festgenommen: Ermittler prüfen möglichen Verrat von Staatsgeheimnissen

Ex-BND-Chef August Hanning festgenommen: Ermittler prüfen möglichen Verrat von Staatsgeheimnissen

August Hanning festgenommen: Gegen den früheren BND-Chef wird wegen Spionage, Staatsgeheimnissen und möglichem Landesverrat ermittelt.

von Mike Schwarz
August Hanning festgenommen: Gegen den früheren BND-Chef wird wegen Spionage, Staatsgeheimnissen und möglichem Landesverrat ermittelt.

August Hanning ist festgenommen worden. Gegen den früheren BND-Präsidenten laufen Ermittlungen wegen schwerer Spionagevorwürfe. Im Zentrum stehen geheime Dokumente und Kontakte zu ausländischen Akteuren, berichtet die Redaktion von 4thebike.de. Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung ermittelt der Generalbundesanwalt gegen den 80-Jährigen.

Warum wurde August Hanning festgenommen?

Beamte des Bundeskriminalamts nahmen Hanning am 6. Oktober in Nordwalde bei Münster fest. Gleichzeitig wurde ein weiterer ehemaliger BND-Mitarbeiter in Bayern verhaftet.

Bei diesem Mann handelt es sich laut den Recherchen um Hannings früheren Büroleiter Manfred D. Er soll Hanning über Jahre mit streng geheimen Informationen versorgt haben. Dabei soll auch Geld geflossen sein.

Gegen Hanning wird unter anderem wegen folgender Verdachtsmomente ermittelt:

  • landesverräterische Ausspähung;
  • Auskundschaften von Staatsgeheimnissen;
  • versuchter Landesverrat;
  • geheimdienstliche Agententätigkeit.

Die Vorwürfe sind bislang nicht gerichtlich bewiesen. Über eine Untersuchungshaft entscheidet der zuständige Ermittlungsrichter.

Rund 2.000 geheime BND-Dokumente im Fokus

Besonders brisant ist der Umfang des Materials. Rund 2.000 Dokumente sollen an Hanning gelangt sein.

Darunter befanden sich laut den Recherchen Briefings für die sogenannte ND-Lage im Kanzleramt. Dort tauschen sich Spitzen der deutschen Sicherheitsbehörden regelmäßig aus.

PunktBisher bekannter Stand
BeschuldigterAugust Hanning
Früheres AmtBND-Präsident von 1998 bis 2005
Zweiter Beschuldigterehemaliger BND-Mitarbeiter Manfred D.
Materialrund 2.000 Dokumente
Jüngste Unterlagenoffenbar aus Juni 2022
ErmittlungsbehördeGeneralbundesanwalt

Die Unterlagen sollen Informationen zum iranischen Atomprogramm und zur russischen Armee enthalten haben. Auch Erkenntnisse ausländischer Partnerdienste könnten betroffen sein.

Ein solcher Informationsabfluss kann das Vertrauen verbündeter Nachrichtendienste erheblich beschädigen.

Soll Hanning Informationen für einen fremden Geheimdienst genutzt haben?

Die Ermittler prüfen einen besonders schweren Verdacht. Hanning soll mindestens eine Sicherheitsanalyse für einen ausländischen Nachrichtendienst erstellt haben.

Nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung soll es dabei nicht um Russland gegangen sein. In einem weiteren Fall soll Hanning Informationen aus internen BND-Dokumenten bei einem Kontakt mit einem ausländischen Agenten genutzt haben.

Welche ausländischen Akteure konkret gemeint sind, ist bislang nicht öffentlich bestätigt.

Wie kamen die Ermittler auf Hanning?

Der entscheidende Fund soll bei einer früheren Durchsuchung erfolgt sein. Ermittler hatten Hannings Räume im Zusammenhang mit dem Fall Christina Block durchsucht.

Dabei wurde offenbar ein Datenträger mit geheimem BND-Material entdeckt. Das LKA Hamburg übergab die Unterlagen anschließend an die Bundesbehörden.

Im Mai 2026 leitete die Bundesanwaltschaft laut Tagesschau ein verdecktes Ermittlungsverfahren ein.

Offen bleibt weiterhin, wie das Material aus den besonders geschützten Systemen des BND herausgelangen konnte. Ebenfalls ungeklärt ist, welche Informationen tatsächlich an ausländische Stellen weitergegeben wurden.

Warum der Fall für den BND so schwer wiegt

Hanning stand von 1998 bis 2005 an der Spitze des Bundesnachrichtendienstes. Danach wurde er Staatssekretär im Bundesinnenministerium.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, hätte der Fall außergewöhnliche Dimensionen. Ein ehemaliger BND-Präsident war bislang nicht Gegenstand eines vergleichbaren Landesverratsverfahrens.

Der Fall betrifft deshalb nicht nur Hanning persönlich. Er könnte auch Konsequenzen für die Zusammenarbeit des BND mit ausländischen Partnerdiensten haben.

Zuvor schrieben wir über Fahrrad auf dem Gehweg kann 100 Euro kosten: Welche StVO-Ausnahmen 2026 gelten

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